Der NFS Nord-Süd hat seinen Hauptsitz an der Universität Bern. Doch geforscht wird auch in Afrika, Asien und Südamerika. Rund 350 Forschende beschäftigen sich unter anderem mit sozialen und politischen Konflikten, mit Gesundheitsfragen und dem Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Ein wichtiges Ziel des NFS Nord-Süd ist die Anwendung des gewonnenen Wissens: Die Forschungsergebnisse sollen von Politik und Verwaltung umgesetzt werden können. Diese Aufgabe stellt den NFS vor besondere Herausforderungen. Weil die Forschenden auf der ganzen Welt arbeiten, besteht die Gefahr, dass ihre Ergebnisse verstreut bleiben.
Um dem entgegenzuwirken, hat der NFS Nord-Süd die sogenannten Policy Briefs eingeführt. Die regelmässig erscheinenden Broschüren «Evidence for Policy», die auf der Website des NFS abrufbar sind, bringen die wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse knapp und verständlich formuliert den betroffenen Anwendern nahe.
Der NFS Nord-Süd führt zwei Serien von Policy Briefs. Die globale, in Englisch vorliegende Serie wendet sich primär an schweizerische, aber auch an internationale Entscheidungsträger und Entwicklungsfachleute, die etwa für die Deza, das Seco und NGO's arbeiten. Die regionale Serie richtet sich vor allem an Anwender vor Ort. Der NFS Nord-Süd stellt also von Bern aus sicher, dass beispielsweise Forschende in Nepal, die sich mit der Lösung der dortigen Konflikte beschäftigen, in Dialog mit lokalen Entscheidungsträgern treten.
Die Forschenden werden beim Schreiben der Texte von Kommunikationsfachleuten des NFS Nord-Süd unterstützt. Dass die Forschenden die Policy Briefs selbst schreiben, hat Vor- wie Nachteile. Der Vorteil: Die Wissenschaft im Süden agiert traditionell nahe an Politik und Verwaltung. Sie weiss also, nach welcher Logik diese funktionieren und welche Aussagen man besser unterlässt. Das eigene Land etwa als höchst arm zu bezeichnen, kann nachteilige Folgen nach sich ziehen.
Der Nachteil: Wissenschaftler neigen dazu, die für die Anwendung zentralen Punkte zu wenig hervorzuheben. Statt sich auf wenige wichtige Botschaften zu beschränken, führen sie die mitunter recht komplexen Forschungsresultate auf, die von Politik und Verwaltung kaum verstanden werden. Die Kommunikationsfachleute helfen ihnen, diese Falle zu vermeiden.