Die Einbürgerungspolitik der Schweiz gilt als eine der restriktivsten in Europa. Eine Forschungsgruppe der Universität Bern hat die Aufnahme- und Ausschlusskriterien des Schweizer Bürgerrechts aus historischer Perspektive untersucht. Dabei zeigte sich, dass Einbürgerung immer auch ein Mittel zur Austragung gesellschaftlicher und politischer Interessenkonflikte war. Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie legt aber auch dar, welche Schlüsse sich daraus für die Gegenwart ziehen lassen.

Einen Geruch bestimmen und bis zur Quelle zurückverfolgen - mit einem Heer von kleinen Robotern… Ein neuartiger Ansatz, der im Rahmen eines Projekts des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Mobile Informations- und Kommunikationssysteme» (NFS MICS) zur Anwendung kommt, gibt Anlass zu neuer Hoffnung im Bereich Entminung: Vielleicht muss diese gefährliche Arbeit schon bald nicht mehr von Menschen und Tieren durchgeführt werden.
In der Schweiz bleibt jeder zweite Schüler der Schule gelegentlich fern. Fünf Prozent aller Schüler schwänzen mehr als fünf Mal pro Jahr. Dabei spielt die Schulqualität, unter anderem die Lehrer-Schüler-Beziehung, eine entscheidende Rolle, wie eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie ergeben hat. Es handelt sich somit nicht um ein rein individuelles Phänomen sondern hat auch institutionelle Gründe.
Wenn Permafrost in den Alpen taut, leidet die Stabilität von Bauwerken im Hochgebirge. Um die heutige Verbreitung und die zukünftige Entwicklung des Permafrosts im Fels abschätzen zu können, haben Wissenschaftler der Universität Zürich mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds neue Computermodelle und Messmethoden entwickelt. Die vielversprechenden Resultate werden dazu beitragen, bei Wartungs- und Sanierungsarbeiten sowie bei der Planung neuer Bauvorhaben Kosten zu sparen.

Nach einem Knochenbruch bei Kindern und Jugendlichen nimmt die Knochendichte deutlich ab und es ist ungewiss, ob sie je wieder vollständig regeneriert werden kann. Dadurch könnten die Betroffenen einem erhöhten osteoporosebedingten Bruchrisiko ausgesetzt sein, befürchten Forschende des Universitätsspitals Genf aufgrund der ersten Resultaten ihrer Studie im Nationalen Forschungsprogramm «Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen» (NFP 53).
Michael Hengartner von der Universität Zürich wird mit dem Nationalen Latsis-Preis 2006 ausgezeichnet. Der Molekularbiologe wird für seine grossen Verdienste bei der Erforschung eines wichtigen Modellorganismus, des Fadenwurms C. elegans geehrt. Der Nationale Latsis-Preis mit einer Preissumme von 100'000 Franken wird vom Schweizerischen Nationalfonds im Auftrag der Genfer Latsis-Stiftung verliehen. Die Preisverleihung findet am 11. Januar 2007 im Rathaus Bern statt.
Die Landschaft spielt für die alpine Wirtschaft eine bedeutende Rolle. Das Nationale Forschungsprogramm 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» zeigt in seiner heute publizierten Teilsynthese*, dass sich dem Alpengebiet durch die Erhaltung der Landschaft auch wirtschaftliche Chancen eröffnen - sei es über marktwirtschaftliche Strategien oder indem wir die Landschaft als öffentliches Gut besser nutzen. Verschiedene Alpen-Regionen haben jedoch ein begrenztes Potential, hier stellt sich die Frage nach Unterstützung und Überlebensfähigkeit.

Ökosysteme im Gebirge reagieren besonders unflexibel auf menschliche Eingriffe. Nach einer Störung finden sie nur sehr langsam - wenn überhaupt - zum ursprünglichen Zustand zurück. Dies bestätigt eine Studie des Nationalen Forschungsprogramms «Landschaften und Lebensräume der Alpen», welche die Vegetations- und Bodenentwicklung von über 70-jährigen Versuchsflächen auf der «Schynigen Platte» untersuchte. Die Ergebnisse des weltweit einzigartigen Experiments zeigen, dass das Ausbringen von Kalk in den 1930er-Jahren ausreichte, die artenreiche Alpweidenvegetation sowie die chemischen und mikrobiellen Bodeneigenschaften für Jahrzehnte zu stören.

Ein mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds von Forschenden der ETH Lausanne entwickeltes Molekül, wird zum Goldstandard* bei der Früherkennung von Blasenkrebs. Das Produkt mit dem Namen Hexvix® hat bereits 2005 die Hürden der europäischen Zulassung genommen und wartet nun auf das grüne Licht der amerikanischen Zulassungsbehörde. Die Substanz lässt Blasentumore fluoreszieren. Dadurch lassen sie sich bei der Endoskopie leichter lokalisieren und können vollständig entfernt werden. Dies senkt die Gefahr, dass der Krebs wieder auftritt - ein wissenschaftlicher, medizinischer und wirtschaftlicher Erfolg.
Ein von Ethikern, Psychologen und Medizinern entwickelter Leitfadenkombiniert mit einer Schulung der Ärztinnen und Ärzte verbessert die Beratung von Paaren, die ein Kind erwarten. Dies hat eine Evaluation im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Integration und Ausschluss» (NFP 51) ergeben. Die Fachgesellschaft «gynécologie suisse» hat nun die Herausgeberschaft des Leitfadens übernommen und die Ärzteschulung in ihr Weiterbildungsangebot aufgenommen.
Im Tessin werden dreimal so viele Organe gespendet wie in der Deutschschweiz. Dies liegt nicht am unterschiedlichen Informationsstand der Landesteile, sondern hat kulturelle Gründe: In der Deutschschweiz wird Individualismus und Eigenverantwortung gross geschrieben, im Tessin ist die Gemeinschaft wichtig. Die Studie des Nationalen Forschungsprogramms «Implantate und Transplantate» zeigt auf, wie sich kulturelle Unterschiede auf das Gesundheitswesen auswirken.

Der Wildverbiss gilt als eines der grössten Probleme im Gebirgswald. Doch die etablierten Ansichten zur Rolle der Huftiere im Wald müssen relativiert werden. Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL haben nämlich im Nationalen Forschungsprogramm «Landschaften und Lebensräume der Alpen» (NFP 48) zeigen können, dass das Wild nur einer von vielen Faktoren ist, die sich auf die Verjüngung und Artenzusammensetzung eines Waldbestandes auswirken.
Im Nationalen Forschungsprogramm «Rechtsextremismus - Ursachen und Gegenmassnahmen» wurde ein Instrument entwickelt, mit dem sich die Entwicklung von menschenfeindlichen Einstellungen und des Rechtsextremismus in der Schweiz messen lässt. Resultat der ersten Umfrage: Zwar haben über 50 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer Vorurteile gegenüber Fremden, doch die Schweizer Gesellschaft ist von Toleranz und vom Willen zur Integration geprägt. 90 Prozent lehnen Rechtsextremismus klar ab.

Ein Biologenteam der Universität Neuenburg stellt im Internet die genetischen Profile aller in der Schweiz kultivierten Rebsorten zur Verfügung. Diese Datenbank, die «Swiss Vitis Microsatellite Database», wurde im Nationalen Forschungsschwerpunkt «Überlebenserfolg von Pflanzen» mit finanzieller Unterstützung des Staatssekretariats für Bildung und Forschung realisiert.
Der Schweizerische Nationalfonds lanciert das Nationale Forschungs-programm "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59) und nimmt damit dieses aktuelle Thema genauer unter die Lupe. Das Programm soll laut dem eben erschienenen Ausführungsplan wissenschaftliche Grundlagen liefern und helfen, die derzeitige gesellschaftspolitische Debatte zu versachlichen. Das NFP 59 hat zwölf Millionen Franken zur Verfügung. Die Laufzeit beträgt vier Jahre, das Programm endet 2011.
Die religiöse Landschaft der Schweiz verändert sich stark. Das neue Nationale Forschungsprogramm, "Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft" (NFP58) soll den dynamischen Veränderungsprozess untersuchen und Grundwissen bereitstellen für ein friedliches Zusammenleben und gegen fundamentalistische Tendenzen. Das mit zehn Millionen dotierte Programm wird jetzt für interessierte Forschende ausgeschrieben. Es läuft bis ins Jahr 2010.
Im Jahr 2005 investierte der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) 466 Millionen Franken in die Forschung. Die Schweizer Forschenden waren sehr aktiv, aber die weiterhin begrenzt verfügbaren Mittel erforderten eine drastische Projektselektion.
Der SNF begrüsst die Bestrebung des Bundes, die Forschung mit Menschen auf Bundesebene verbindlich zu regeln. Der Gesetzesentwurf erfüllt aber die Anforderungen an eine solche Regelung in wichtigen Aspekten nicht. Der SNF kann deshalb den vorliegenden Gesetzesentwurf in der vorliegenden Form nicht unterstützen.

Kabellose Sensorennetze sollen zu einer vielversprechenden Technologie in der indischen Landwirtschaft werden. Ziel des Projekts: Den Bauern eine Entscheidungshilfe zur Verfügung stellen, die einen haushälterischen Einsatz von Wasser ermöglicht. Diese vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Initiative entspringt der Zusammenarbeit des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Mobile Informations- und Kommunikationssysteme» mit dem "Indian Institute of Science in Bangalore".
Heute gehört es zum guten Ton, den Grund für Schulschwierigkeiten oder aggressives Verhalten von Kindern in der elterlichen Nachlässigkeit zu sehen und die Rückkehr zu strengeren Erziehungsformen zu propagieren. Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel» (NFP 52) haben Professor Alain Clémence und sein Team von der Fakultät des sciences sociales et pédagogiques an der Universität Lausanne eine Studie durchgeführt, die eine andere Realität aufzeigt. Sie belegt, dass sich Autorität in der Familie negativ auf die schulischen Leistungen und die Selbstachtung der Kinder auswirken können.
Der SNF begrüsst das Bestreben der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) und der Eidgenössischen Kommission für Tierversuche (EKTV), einige wichtige ethische Fragen in Bezug auf die Forschung an Primaten zu klären. Er wird die Empfehlungen, die sich an ihn als forschungsfinanzierende Stelle richten, vertieft prüfen und bei Bedarf seine Praxis anpassen. Die heutige Vorgehensweise der unabhängigen wissenschaftlichen und ethischen Evaluation von Tierversuchen sollte seiner Meinung aber nicht aufgegeben werden.

Traditionelle Forschungsroboter erschliessen heute routinemässig dem Menschen nicht zugängliche Gebiete. Mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds wenden Forschende des Instituts für Robotik und Intelligente Systeme und des Instituts für Neuroinformatik der ETH Zürich dieselbe Strategie auch auf der mikroskopischen Ebene an. Sie erforschen den Flug der Taufliege Drosophila und hoffen, mit Hilfe ihrer Erkenntnisse kleine, fliegende Roboter entwickeln zu können. Auch die Medizin könnte von diesem Forschungsgebiet profitieren.
Einem Forschungsteam aus der Schweiz und aus Deutschland ist es erstmals gelungen, mit Gentherapie eine angeborene Blutkrankheit zu behandeln. Dies berichten die Wissenschaftler in einer online-Publikation des Wissenschaftsmagazins «Nature Medicine» vom 2. April.
Um den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft über die Medien zu fördern, lanciert der Schweizerische Nationalfonds (SNF) ein professionelles Medientraining, dass sich spezifisch an Wissenschaftler richtet. Er reagiert damit auf die Ansprüche der Bevölkerung, die gegenüber der Wissenschaft gleichzeitig stetig zunehmende Erwartungen wie auch Befürchtungen hegt.
Der Forschungsplatz Schweiz muss seine Rahmenbedingungen verbessern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Im Vergleich der OECD-Länder liegt die Schweiz mit ihrer staatlichen Forschungsförderung deutlich unter dem Durchschnitt. Dieser besorgniserregenden Tatsache hat der Schweizerische Nationalfonds in seiner Strategie für den Zeitraum 2008-2011 Rechnung getragen. Damit die Forschung ihr hohes Niveau beibehalten kann, braucht es in den nächsten Jahren einen Budgetzuwachs von jährlich 10 Prozent.
Bei einer weitgehenden Liberalisierung des Agrarbereichs wird in bestimmten Regionen des Berggebietes in 10 Jahren bis zu einem Fünftel der heutigen landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht mehr bewirtschaftet. Dies zeigen Szenarien, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 48 "Landschaften und Lebensräume der Alpen" mittels eines neuen Agrarstrukturmodells errechnet wurden. Die Berglandwirtschaft hat in diesem Fall mit Einkommenseinbussen zu rechnen, die sich nicht mehr durch Nebenverdienste kompensieren lassen.
Eine wirksame Therapie gegen die Zerstörung des Knorpels durch Arthrose gibt es nicht. Die Medizin setzt deshalb grosse Hoffnungen auf den Einsatz von Implantaten aus körpereigenem Knorpelgewebe. Doch die Therapie funktioniert nur selten. Nun haben Berner und Basler Forschende mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds ein neues Implantat entwickelt und dabei herausgefunden, wer am ehesten von der Therapie profitiert.

Die Lawinengefahr und das Abschmelzen der Gletscher hängen stark vom Energieaustausch zwischen Bergluft und Schnee ab. Um diesen Prozess besser zu verstehen, sammeln Forschende der ETH Lausanne mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds einzigartige Daten auf dem Plaine Morte-Gletscher.
Die wichtigsten Schweizer Wissenschaftsinstitutionen haben gemeinsam die sogenannte "Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities" unterzeichnet, die den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsresultaten propagiert. Sie setzen damit ein positives Signal für die Einführung von "Open Access"-Lösungen in der Schweiz.
Im europäischen Vergleich konsumieren Schweizerinnen und Schweizer ambulant wenig Antibiotika. Zwischen den einzelnen Kantonen bestehen jedoch grosse Unterschiede, wie eine Studie des Nationalen Forschungsprogramms «Antibiotikaresistenz» (NFP 49) belegt. Mögliche Faktoren sind die Altersstruktur, die Ärztedichte und die Bildung.

Am 12. Januar erhält der Ingenieurwissenschaftler Patrick Jenny von der ETH Zürich im Berner Rathaus den Nationalen Latsis-Preis 2005. Der Schweizerische Nationalfonds verleiht ihm den mit 100'000 Franken dotierten Preis im Auftrag der Latsis-Stiftung für seine Verbesserungen von Computersimulationen komplexer Strömungssysteme in Natur und Technik.

Die Wasserqualität des Genfersees bereitet seinen Anwohnern immer wieder Sorge. Damit er gesund bleibt, muss er bis in die tiefsten Schichten Sauerstoff aufnehmen können. Normalerweise geschieht dies im Winter. Mit der Klimaerwärmung könnte dieser natürliche Vorgang jedoch abnehmen, wie Forschende der ETH Lausanne mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds festgestellt haben. Sie haben die Bewegungen der Wassermassen über mehrere Jahre beobachtet und festgestellt, dass für die Wasserzirkulation des Sees verschiedene Mechanismen verantwortlich sind.