Filmreihe «SCIENCEsuisse»


Gottfried Boehm - Die Kunst des Sehens 

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gab es keine Bildforschung, die diesen Namen verdiente. Vielmehr glaubte man, «dass sich die Wahrheit ausschliesslich in Sprache manifestiere», wie es der Bildforscher Gottfried Boehm formuliert. «Das Credo, dass die Welt das ist, was sich sagen lässt, prägte unsere Kulturgeschichte.»

«Heute nehmen uns Bilder in Beschlag», stellt Gottfried Boehm fest, «insbesondere seitdem sie den öffentlichen Raum erobert haben und beweglich geworden sind». Bilder sind wie nie zuvor zu Kommunikationsmitteln geworden. Die blitzschnelle Eins-zu-Eins-Kommunikation, zum Beispiel mit den überall gegenwärtigen Handy-Kameras, prägt heute unsere Gesellschaft.

Seit 1986 ist Gottfried Boehm Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel. An dem von ihm geleiteten Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «Bildkritik – Macht und Bedeutung der Bilder» - auch «eikones» genannt - sind diesem umfassenden Anspruch entsprechend ein gutes Dutzend Disziplinen beteiligt. Die Schwerpunkte der dreissig Projekte reichen von der Macht und Wirkung der Bilder bis zu Visualisierungen im Wissenschaftskontext.

Jeder meine zu wissen, was ein Bild sei, kritisiert Gottfried Boehm: «Dass man lernen muss, Tennis oder Violine zu spielen, ist allen klar. Was das Sehen anbelangt, erkennt niemand Lernbedarf.» Der Basler Bildforscher fordert deshalb mehr Respekt für die Kunst des Sehens. «Nur wer die Kunst des Sehens beherrscht, kann der Macht der Bilder auf die Spur kommen.» Dies sei gerade in einer demokratischen Gesellschaft dringend geboten.


Gottfried Boehm

Geboren 1942 in Braunau (Böhmen)
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in Köln, Wien und Heidelberg
Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel (seit 1986)
Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Institute for Advanced Study, (2001–2002)
Leiter des NFS «Bildkritik – Macht und Bedeutung der Bilder» (seit 2005)


Filmcredits
Realisation: Jürg Egli
Kamera: Simon Guy Fässler
Ton: Patrick Becker
Schnitt: Jürg Egli
Musik: Mario Marchisella
Bilder Picasso, Giacometti © 2008 ProLitteris, Zürich
Produktion: Analyze
Redaktion: Christian Eggenberger, SF

Zu diesem Thema

© SNF 2012 | Wildhainweg 3, Postfach 8232, 3001 Bern | Tel. +41 31 308 22 22 | Impressum | Seite drucken | Seite weiterempfehlen Link zur Website der Stiftung "Zugang für alle" SNFWEB08