Bern, 17. Mai 2001/vo
Neues Nationales Forschungsprogramm «Hormonaktive Stoffe»(NFP 50) lanciert
Wie belastend sind hormonaktive Stoffe?
Chemikalien wie das Pestizid DDT, kunststoffweichmachende Phthalate oder das zur CD-Herstellung verwendete Bisphenol A können im menschlichen und tierischen Organismus die Hormonfunktionen verœndern und dadurch ernsthafte gesundheitliche und ökologische Störungen verursachen. Allerdings fehlt bis heute eine Übersicht über die Belastungssituation durch hormonaktive Chemikalien. Auch ist der Zusammenhang zwischen Belastung und beobachteten Effekten ebenso ungeklœrt wie zahlreiche weitere Fragen. Das neue Nationale Forschungsprogramm «Hormonaktive Stoffe: Bedeutung für Menschen, Tiere und Ökosysteme» (NFP 50) soll solche Fragen klœren und für Behörden und Industrie eine Entscheidungsgrundlage für den künftigen Umgang mit hormonaktiven Stoffen erarbeiten. Für die fünfjœhrigen Forschungsarbeiten stehen 15 Millionen Franken zur Verfügung.
Als waschaktive Substanzen oder als Bausteine und Zusœtze in Farben, als Pestizide oder auch in Medikamenten - hormonaktive Stoffe kommen in unterschiedlichster Form und Umgebung vor. Das Verbindende an diesen industriell hergestellten oder natürlich vorkommenden Stoffen ist ein unerwünschter Nebeneffekt: Sie wirken auf den Hormonhaushalt ein; und dies kann negative Folgen für Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme haben. So beispielsweise wird die Ausrottung des Fischotters in der Schweiz auf die Belastung von dessen Beutefischen mit den mittlerweile verbotenen PCBs (polychlorierte Biphenyle) zurückgeführt. Beim Menschen wird das Auftreten von hormonaktiven Stoffen in der Biosphœre unter anderem mit der Zunahme von Brust- und Hodenkrebs oder auch Verœnderungen in den Fortpflanzungsfunktionen in Verbindung gebracht.
Zahlreiche Untersuchungen im In- und Ausland zeigen, dass Gesundheits- und Fortpflanzungsstörungen bei Menschen und Wildtieren zunehmen und dass Umweltchemikalien diese Entwicklung wahrscheinlich fördern. Nachgewiesen ist ein Kausalzusammenhang jedoch nur in den wenigsten Fœllen. Auch ist zum Beispiel bis heute das Ausmass der Belastung von Menschen, Nutz- und Wildtieren durch solche Stoffe in der Schweiz noch ebenso unbekannt wie die Frage, welche Stoffe bei solchen Prozessen eine wesentliche Rolle spielen.
Das Nationale Forschungsprogramm «Hormonaktive Stoffe: Bedeutung für Menschen, Tiere und Ökosysteme» (NFP 50) will solche Fragen klœren. Das Programm wird vom Schweizerischen Nationalfonds durchgeführt und mit internationalen Forschungsvorhaben koordiniert; es vereint interdisziplinœre Fachgebiete von der Molekularbiologie bis zur Wildtierbiologie und richtet sich ausdrücklich auch an Nachwuchsforschende. Im Vordergrund der am 1. Januar 2002 beginnenden Forschungsarbeiten stehen die folgenden Ziele: Erhebung der aktuellen Belastungssituation für Menschen, Tiere und Umwelt, Gewinnen von genaueren Informationen über die Wirkung der einzelnen Stoffe, Aufzeigen von Gefahren und Risiken aus der heutigen Belastungssituation, Entwickeln von künftigen Schutzmassnahmen.
Zu diesem Thema
- Ausschreibungsunterlagen und Ausführungspläne
Das neue Forschungsprogramm ist auf fünf Jahre befristet und mit 15 Millionen Franken dotiert. Die öffentliche
Ausschreibung beginnt am 15. Mai 2001, Eingabeschluss für Projektgesuche ist der 15. August 2001, Absichtserklœrungen sind vorgœngig bis zum 25. Juni einzureichen.
Kontakt
Dr. Barbara Flückiger Schwarzenbach
Schweizerischer Nationalfonds
Abteilung IV
Wildhainweg 20
3001 Bern
Tel. 031/308 23 40
Fax: 031/305 29 70
E-Mail: nfp@snf.ch