Vor 1952 war die Finanzierung der Forschung Sache der Kantone. Der daraus resultierende «Flickenteppich» bewog viele entmutigte Forscher und Forscherinnen, ins Ausland zu ziehen, wo sie in den Genuss einer umfangreicheren, national geregelten Finanzhilfe kamen. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihrerseits waren in dieser besonderen Zeit nach dem 2. Weltkrieg bestrebt, zur wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen.
Nach mehrjährigen Debatten gelang es schliesslich Alexander von Muralt, Physiologie-Professor an der Universität Bern, die Interessen der Wissenschaft mit jenen der Politik unter einen Hut zu bringen. Im Jahr 1950 stellte er dem Bundesrat das Projekt für einen Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung vor. Die vom Bund finanzierte aber von Wissenschaftlern geführte Institution wurde am 1. August 1952 offiziell aus der Taufe gehoben.
Mehr Professionalität
Nach den ersten Jahren, die der Konsolidierung dienten, und einem starken Engagement in der Atomforschung unterteilt der SNF in den sechziger Jahren seinen nationalen Forschungsrat zuerst in zwei, dann in drei Abteilungen: Die Projekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften werden von der Abteilung I, jene in den Natur- und exakten Wissenschaften von der Abteilung II und jene auf dem Gebiet der Biologie und Medizin von der Abteilung III beurteilt. Daneben möchte der SNF auch eigene Forschungszentren führen, lässt jedoch diese Idee aus Kostengründen wieder fallen. Im Jahr 1969 tritt das Hochschulförderungsgesetz in Kraft und leitet eine Entwicklung zur Institutionalisierung der Wissenschafts- und Hochschulpolitik ein. Beim SNF wird die Forschungsförderung professionalisiert. Während der Wirtschaftskrise in den siebziger Jahren erhält der SNF den Auftrag, die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) durchzuführen, die neue Erkenntnisse für die Lösung von Problemen von nationaler Tragweite liefern sollen. Diese NFP werden von der neuen Abteilung IV geleitet.
Neue Instrumente
Das Forschungsgesetz von 1984 bekräftigt den Status des SNF als Organ, das unter anderem auch mit der Wissenschaftspolitik betraut wird. Auf internationaler Ebene setzt sich der SNF für die Schaffung wissenschaftlicher Dachorganisationen ein und bemüht sich um die Teilnahme schweizerischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an grossen europäischen Projekten. Zu Beginn der neunziger Jahre erhält der SNF eine neue Aufgabe: Unterstützung der orientierten Forschung mit der Durchführung von Schwerpunktprogrammen in den Bereichen Informatik, Biotechnologie, Umwelt und Sozialwissenschaften. Die folgenden Jahre sind geprägt vom Willen, die wesentlichen Aufgaben des SNF – die Förderung der freien Grundlagenforschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses – mit den Forderungen der Wissenschaftspolitik in Einklang zu bringen. Der SNF ergreift zudem zwei Initiativen: die nationalen Forschungsschwerpunkte und das Programm der SNF-Förderungsprofessuren, mit dem in den Hochschulen und ETHs ein neuer akademischer Rang geschaffen wird.
Forschung: Ausgesprochen positive Bilanz
Für sein Jubiläum kann der SNF eine sehr positive Bilanz seiner Tätigkeit für die Forschung in der Schweiz ziehen. Einige Beispiele: In den Sozial- und Geisteswissenschaften ist dank seiner Beiträge an Jean Piaget und Bärbel Inhelder in Genf ein Psychologiezentrum von Weltruf entstanden. Im Bereich der Mathematik, der Natur- und Ingenieurwissenschaften hat die Physik, insbesondere die Teilchenphysik, dem SNF und seinen seit 1952 unternommenen Anstrengungen für den Ausbau der Forschung für eine friedliche Nutzung der Atomenergie viel zu verdanken. Auf dem Gebiet der Biologie und der Medizin ist der Aufschwung der Molekularbiologie seit den sechziger Jahren eng verknüpft mit dem SNF, der die Beobachtung von Viren mit dem Elektronenmikroskop von Anfang an, also bereits seit 1952, unterstützt hat. Zudem haben mehrere Nobelpreisträger auf verschiedenen Fachgebieten ebenfalls von der Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds profitiert, darunter Werner Arber, Richard R. Ernst und Rolf Zinkernagel.
Diese Entwicklungen sowie ein Abriss der Entstehungsgeschichte des SNF und ein Rückblick auf die vergangenen fünfzig Jahre werden in dieser reich illustrierten Festschrift präsentiert. Sie ist in mehrere Teile gegliedert; zum Schluss folgt ein Verzeichnis der Ereignisse und der Personen, welche die Institution geprägt haben.
Der SNF heute
Im Auftrag des Bundes gewährt der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) Beiträge für die an Hochschulen durchgeführten Forschungsarbeiten und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Er führt Nationale Forschungsprogramme durch und unterstützt die strukturelle Stärkung bestimmter Zielbereiche. Der SNF engagiert sich auch stark auf internationaler Ebene.
Ihm steht für das Jahr 2002 ein Budget von 400 Mio. Franken zur Verfügung, die in erster Linie zur Finanzierung von ungefähr 3000 Forschungsprojekten bestimmt sind. Neben der Grundlagenforschung leitet der SNF zurzeit 18 Nationale Forschungsprogramme, ein Schwerpunktprogramm, 14 Nationale Forschungsschwerpunkte, zwei internationale wissenschaftliche Kooperationsprogramme, die schweizerische Beteiligung an den europäischen Programmen,sowie zehn Stipendien- und Austauschprogramme für angehende Forschende. Zudem finanziert er jedes Jahr die Publikation von rund 120 wissenschaftlichen Werken.
Im Jahr 2001 flossen 19 Prozent der bewilligten Kredite in die Geistes- und Sozialwissenschaften, 39 Prozent in die Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften und 42 Prozent in die Biologie und Medizin. 79 Prozent der unterstützten Forschenden sind unter 35 Jahre alt, 38 Prozent sind Frauen. Der SNF finanziert derzeit etwa Hundert Förderungsprofessuren an den Schweizer Hochschulen.