25.11.2008 

Auftragsstudie „Geschlecht und Forschungsförderung“ liefert Grundlage für die Gleichstellungsmassnahmen des SNF 

Die Studie „Geschlecht und Forschungsförderung“ (GEFO) hat im Auftrag des SNF die Position der Frauen im Wissenschaftsbetrieb und in der Forschungsförderung beleuchtet. Bezüglich der Forschungsförderung des SNF konnte sie keine geschlechtsspezifischen Benachteiligungen feststellen. Hingegen führen Hürden beim Übertritt vom Studium ins Doktorat, mangelhafte laufbahnspezifische Unterstützung sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie dazu, dass Frauen überproportional aus dem Forschungsbereich ausscheiden („Leaky Pipeline“).

Eine 2004 durchgeführte Pilotstudie des SNF zu den Erfolgsquoten von Frauen und Männern in der Forschungsförderung verlangte nach einer umfassenderen Untersuchung. Die von Oktober 2006 bis Juni 2008 durchgeführte GEFO-Studie beleuchtete daher

• die geschlechtsspezifischen Verlustraten in wissenschaftlichen Laufbahnen sowie die Gründe für das überproportionale Ausscheiden von Frauen aus dem Wissenschaftsbereich

• die Rolle der Forschungsförderung – insbesondere des SNF – für weibliche Nachwuchsforschende

• den Zugang zur Forschungsförderung, den Erfolg bei der Gesuchstellung und die Wirkung der Forschungsförderung auf die Laufbahn.

Durchgeführt wurde die GEFO-Studie von der Arbeitsgemeinschaft Pädagogische Hochschule Zürich PHZH, Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS und Bundesamt für Statistik BFS in Kooperation mit dem Service de recherche en éducation (SRED) in Genf und dem Institut für Sozialökonomie der Universität Zürich. Eine Begleitgruppe aus Expertinnen und Experten stellte die Qualität der Studie sicher und stand bei der Interpretation der Ergebnisse beratend zur Seite.

Gute Noten für den SNF, dennoch ...
Der SNF erhält grundsätzlich gute Noten: Frauen stellen bis fünf Jahre nach dem Doktorat gleich häufig Anträge bei der Personen- und Projektförderung des SNF und weiterer Institutionen der Forschungsförderung wie Männer. Unter den Forschenden, die 2002 bis 2006 erstmals mit Anträgen in der Projektförderung oder für eine Förderungsprofessur an den SNF gelangten, reichten Frauen nicht weniger Gesuche ein, verlangten gleich hohe Summen und hatten dieselben Erfolgschancen. Der Bericht hat somit in der Forschungsförderung keine Benachteiligungen festgestellt, die auf das Geschlecht zurückgeführt werden können. Dennoch sind geschlechtsspezifische Verlustraten zu verzeichnen. Folgende Problempunkte werden in diesem Zusammenhang in der Studie aufgezeigt:

• Die Doktoratsquoten der Frauen sind in allen Fachbereichen tiefer als diejenigen der Männer. Dies gilt auch für Fächer mit einem hohen Frauenanteil. Ist der Entscheid für das Doktorat jedoch einmal gefallen, schliessen Frauen nur unwesentlich seltener ab als Männer. Somit ist nach dem Studium der Beginn und weniger der erfolgreiche Abschluss eines Doktorats die geschlechtsspezifische Hürde.

• Frauen erhalten nach dem Doktorat weniger laufbahnspezifische Unterstützung durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Sinne eines Mentorings. Oft fehlt ihnen jene Person, die im Hintergrund für sie Kontakte einfädelt, Referenzen abgibt, Ratschläge bei Antragstellungen erteilt, auf Stellenangebote hinweist etc. Die schlechtere Einbindung der weiblichen Nachwuchsforschenden in die Scientific Community ist einer der bedeutsamen Gründe, weshalb Frauen den Wissenschaftsbereich verlassen.

• Die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft ist sowohl für Frauen wie für Männer mit Problemen behaftet. Doktorierte Frauen, welche in der Forschung bleiben, haben seltener Kinder als ihre männlichen Kollegen. Zudem planen kinderlose Frauen unter den Nachwuchsforschenden seltener eine Familiengründung als kinderlose Männer. Das Vereinbarkeitsproblem ist für Frauen grösser, da sie insbesondere deutlich stärker in die Betreuung der Kinder involviert sind. Insgesamt stehen Frauen stärker vor dem Entscheid: Forschung oder Familie?

Synthesebericht liegt vor
Der rund 100seitige Synthesebericht liegt bereits in deutscher Sprache vor (ab Januar 2009 auch in Englisch). Der Bericht dient dem SNF als Grundlage für die Planung seiner Gleichstellungsmassnahmen und macht daher auch Aussagen zum Handlungsbedarf. Die Ergebnisse wurden Anfang November im Rahmen eines Kolloquiums mit Expertinnen und Experten diskutiert und in der Folge dem Nationalen Forschungsrat vorgestellt. Die Aufgabe der Gleichstellungskommission des SNF ist es nun, Prioritäten zu setzen und erste Massnahmen in die Wege zu leiten.

Ein Sammelband mit Aufsätzen zur GEFO-Studie und anderen Studien im Bereich Geschlecht und Forschungsförderung ist auf Ende 2009 geplant.

Zu diesem Thema

Kontakt

Maya Widmer
Gleichstellung Forschungsförderung
E-Mail: mwidmer@snf.ch

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