Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) wurde am 1. August 1952 durch die wissenschaftlichen Dachorganisationen der Schweiz gegründet. Kernaufgaben waren und sind die finanzielle Unterstützung von Forschungsprojekten aller wissenschaftlichen Disziplinen im Bereich der Grundlagenforschung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Lauf der Zeit sind zahlreiche Aufgaben dazugekommen, die Palette der Förderungsinstrumente und -massnahmen ist breiter und differenzierter geworden.
Die Vorgeschichte
Mai 1945: Der Krieg war zu Ende. Schweizer Wissenschaftler und Industrielle nahmen ihre Beziehungen zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen wieder auf. Dabei stellten sie konsterniert fest, dass die wissenschaftliche und technologische Forschung vor allem in den wichtigsten Krieg führenden Ländern der Schweizer Forschung bereits weit überlegenen war. Alarmstimmung herrschte, und nur eine grosse nationale Anstrengung schien geeignet, das Absinken der Schweiz ins Mittelmass zu verhindern. Aus dieser Besorgnis heraus ist der SNF entstanden.
Die Initianten
Auf der institutionellen Seite hat die damalige Schweizerische Naturforschende Gesellschaft, die heutige Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (scnat), eine Führungsrolle übernommen. In Zusammenarbeit mit den anderen wissenschaftlichen Dachgesellschaften wurden die Ziele des SNF definiert und die Statuten erarbeitet.
Mit grossem persönlichem Einsatz gelang es dann dem eigentlichen Gründervater des SNF, dem Berner Physiologie-Professor Alexander von Muralt, den Bundesrat davon zu überzeugen, dem SNF die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, die er zur Erfüllung seiner Aufgaben brauchte. Die unter von Muralts Federführung verfasste Eingabe an den «Hohen Bundesrat und das Parlament» liess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und beschrieb die Situation zu Beginn der Fünfzigerjahre als Besorgnis erregend: «Die in der Schweiz bisher zur Verfügung stehenden Mittel sind aber heute ungenügend und zu zersplittert, um neben die hervorragenden Einzelleistungen die breite Entwicklung eines selbständig arbeitenden wissenschaftlichen Nachwuchses und eine tragende Grundschicht von wissenschaftlich erfolgreich arbeitenden Persönlichkeiten zu stellen, wie dies in anderen Ländern immer mehr zur Regel geworden ist.»
Am 26. Oktober 1951 überwies der Bundesrat seine Botschaft über die Gewährung von Bundesbeiträgen an die Stiftung «Schweizerischer Nationalfonds» ans Parlament.
Die Gründung
Die Gründung erfolgte am 1. August 1952 im Rahmen eines festlichen Akts im Ständeratssaal des Bundeshauses. Die beiden Bundesräte Etter und Feldmann waren an der Gründungsfeier persönlich dabei und zeigten damit die Bedeutung, welche die Bundesbehörden der Gründung des SNF beimassen.
Die ersten 50 Jahre
Fast 40'000 Gesuche hat der Nationale Forschungsrat des SNF in den ersten 50 Jahren seiner Tätigkeit geprüft und annähernd 5,6 Mrd. Franken für Forschungsprojekte in allen wissenschaftlichen Disziplinen zugesprochen. Im gleichen Zeitraum wurden weit mehr als 15'000 viel versprechende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Stipendien gefördert.
Seit der Einführung der Nationalen Forschungsprogramme (NFP) im Jahr 1976 wurden in diesem Bereich fast 4'000 Gesuche behandelt und über 500 Mio. Franken zugesprochen. Ein ähnlicher Betrag wurde auch für die 1991 ins Leben gerufenen Schwerpunktprogramme (SPP) aufgewendet. Zur Finanzierung der im Jahr 2001 geschaffenen Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) wurden innerhalb von 8 Jahren durch den SNF 475 Mio. Franken bereitgestellt. Zu Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 1953 stand dem SNF ein Jahresbudget von 4 Mio. Franken zur Verfügung, 25 Jahre später belief sich dieser Betrag auf 126 Mio. Franken und 50 Jahre nach der Gründung waren es 400 Mio. Franken.
Zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2002 wurde die Gründungsgeschichte des SNF durch ein Historikerteam der Universität Genf unter der Leitung von Prof. Antoine Fleury wissenschaftlich aufgearbeitet und mit einer bis in die Gegenwart reichenden Chronologie publiziert.
Der Weg in die Zukunft
Der SNF will gemäss seinem Mehrjahresprogramm 2012-2016 den Forschungsplatz Schweiz attraktiver machen und sich für eine bessere Vereinbarkeit von Forschungskarriere und Familie engagieren. Der nach wie vor deutlich zu tiefe Anteil der Frauen in der Forschung soll so angehoben werden. Ausserdem hat er sich zum Ziel gesetzt, die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Forschenden zu stärken und die Gestaltungsmöglichkeiten der Schweiz bei grenzüberschreitenden Forschungsaktivitäten zu sichern.