Starker Schweizer Nachwuchs für die internationalisierte Forschung

​Die Wissenschaft ist und wird zunehmend internationaler. Wie bereits in meinem Gastkommentar in der NZZ erwähnt, hat eine kürzlich in "Nature" publizierte Studie gezeigt, dass der Forschungsoutput in den westlichen Ländern in den letzten Jahren vor allem dank internationaler Kollaborationen zugenommen hat. Und die Schweiz ist hier Rekordhalterin: Über zwei Drittel der Schweizer Publikationen haben mittlerweile mindestens einen ausländischen Koautor. Dies ist eigentlich eine gute Entwicklung für die Schweiz, denn Wissenschaft lebt heute von Vernetzung, Wettbewerb und Austausch - und da spielen wir ganz vorne mit. Dass es trotzdem immer schwieriger wird, den einheimischen Nachwuchs für eine Forscherkarriere zu motivieren, hat meines Erachtens vor allem zwei Gründe: der internationalisierte Wettbewerb ist hart, zudem mangelt es in der Schweiz an Optionen für eine akademische Karriere mit klaren Spielregeln.

Für einen starken Schweizer Forschungsnachwuchs müssen wir daher einerseits unsere jungen Talente zu den weltweit besten Forschenden ausbilden; sie sollen auf der Karriereleiter gegen die zahlreiche internationale Konkurrenz bestehen können. Und andererseits sollten wir Bewegung in unser etwas altbackenes akademisches Karrieresystem bringen, damit der gut ausgebildete Nachwuchs auch eine faire Chance bekommt, sich zu bewähren. Doch wie können wir dies gemeinsam mit den Hochschulen bewerkstelligen?

Am wichtigsten scheint mir, offen zu bleiben für sämtliche Instrumente und Massnahmen, die geeignet sind, unseren Nachwuchs noch fitter bzw. kompetitiver zu machen. Da heute in den allermeisten Fällen ein internationales Curriculum für eine erfolgreiche akademische Karriere unumgänglich ist, sollte unser Förderungssystem beispielsweise die möglichst frühe grenzüberschreitende Mobilität verstärkt unterstützen – auch bereits vor dem Doktorat. Warum sollen junge Schweizer Forschende nicht auch im Ausland doktorieren, um danach zum Beispiel im Rahmen eines Tenure Track wieder an eine unserer Hochschulen zurückzukehren? – Und damit wären wir beim zweiten Punkt: Wir sollten unserem akademischen Nachwuchs möglichst früh klare Karriereoptionen aufzeigen bzw. anbieten können, welche zwar - wie z. B. beim Tenure Track - an hohe Anforderungen geknüpft sind, dafür aber klare Spielregeln beinhalten, auf die man sich einlassen kann - oder auch nicht. Dies könnte auch dazu beitragen, den Staueffekt auf der universitären Stufenleiter etwas abzubauen, da sich der Einzelne früher mit der grundsätzlichen Frage "Pro oder kontra akademische Karriere?" auseinanderzusetzen hätte.

Martin Vetterli
Präsident des Nationalen Forschungsrats des SNF

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