Forschungsresultate für alle zugänglich machen

Wissenschaftliche Veröffentlichungen und deren Verbreitung sind aus Sicht des SNF integraler Bestandteil des Forschungsprozesses. Forschungsresultate möglichst einfach und schnell weltweit verfügbar zu machen, ist zentral für den Wissensfortschritt und das eigentliche Fundament der Forschung. Publizierte Forschungsresultate haben jedoch nicht nur einen direkten Wert für die Wissenschaftsgemeinschaft, sondern beinhalten auch einen sozialen und ökonomischen Nutzen für potenzielle Zielgruppen aus Industrie, Wirtschaft und Staat oder der breiten Öffentlichkeit.

Der SNF sieht sich daher als Forschungsförderer auch für die optimale Zugänglichkeit der Forschungsresultate zuständig. In der Leistungsvereinbarung mit dem Bund hat sich der SNF dazu verpflichtet, mit geeigneten Massnahmen bezüglich Open Access (OA) wissenschaftliche Publikationen möglichst ohne Zeitverzug weltweit und kostenlos zugänglich zu machen.

Der Global Research Council wie auch Science Europe haben im letzten Jahr ihre unterstützende Haltung gegenüber Open Access in verschiedenen Grundsatzdokumenten deutlich gemacht. Einige europäische Forschungsförderungsorganisation unterstützen den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen bereits mit weitreichenden Massnahmen – sei es, dass sie eigene Repositorien aufbauen oder die Gründung von OA-Zeitschriften unterstützen. Auch der SNF will in Abstimmung mit nationalen Projekten und den Hochschulen die Entwicklung von Open Access aktiv vorantreiben.

Am 1. Juli 2014 macht der SNF nun einen weiteren Schritt in Richtung frei zugänglicher Forschungsresultate und weitet seine Open Access Policy auf Buchpublikationen aus. Die Forschenden sind künftig verpflichtet, aus SNF-finanzierter Forschung hervorgehende Resultate in Form von digitalen, im Internet entgeltfrei zugänglichen Zeitschriftenartikeln (OA innerhalb von 6 Monaten) oder Monographien (OA spätestens 24 Monate nach Erstveröffentlichung) zu veröffentlichen. Die OA-Publikation von Forschungsresultaten unterstützt der SNF mit Förderungsbeiträgen. Damit trägt er zur Sichtbarkeit der Schweizer Forschung bei und reiht sich in die Open Access-Bestrebungen auf internationaler und europäischer Ebene ein.

 

Ingrid Kissling-Näf
Leiterin der Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften des SNF

 

3 Kommentare

  • David Gugerli

    Mittwoch, 23. April 2014 12:29:21

    Liebe Frau Kissling-Näf

    Ideen und Forschungsresultate müssen zirkulieren, da sind wir uns einig. Und die Umlaufgeschwindigkeit muss vor allem dort erhöht werden, wo wir es mit kurzen Halbwertszeiten zu tun haben. Unter den vom SNF geförderten Disziplinen gibt es aber auch solche, deren Ergebnisse eine lange Halbwertszeit aufweisen. Dazu gehören die Geisteswissenschaften. Sie werden vom neuen Publikationsregime des SNF unnötigerweise marginalisiert. Es ist die Monographie, die den Geisteswissenschaften Sichtbarkeit verleiht, nicht das publikationstechnische Kurzfutter der Zeitschriftenbeiträge. Das Buch wirkt auch weit über die disziplinären Grenzen hinaus in Nachbardisziplinen und in die gebildete Öffentlichkeit hinein. Als Historiker bedauere ich die Tatsache, dass der SNF im Namen der erhöhten Sichtbarkeit und Zirkulationsgeschwindigkeit von Forschungsresultaten einen intellekturell und akademisch lebendigen Teil der schweizerischen Forschungslandschaft ins Schattendasein ungeeigneter Publikationsformate zwingt und unter dem irreführenden Titel Open Access neue Zugangsbarrieren errichtet.

    Mit freundlichen Grüssen
    David Gugerli, ETH Zürich

  • Ingrid Kissling-Näf

    Dienstag, 29. April 2014 08:55:37

    Lieber Herr Gugerli

    Wissenschaftliche Monographien sind speziell für die Geisteswissenschaften wichtig. Der SNF unterstützt Monographien weiterhin im selben Umfang und zwar ab dem 1. Juli die Vorstufe mit der digitalen Version, die nach Ablauf einer Sperrfrist von längstens 24 Monaten in einem disziplinspezifischen oder institutionellen Repositorium zugänglich zu machen ist.

    Die Open Access Verpflichtung bedeutet nicht, dass sich das gedruckte Buch und die frei zugängliche digitale Publikation künftig in jedem Fall konkurrenzieren. Eine in Holland durchgeführte Pilotstudie hat vielmehr gezeigt, dass der freie Zugang zu Monographien deren Sichtbarkeit deutlich erhöht und gleichzeitig keinen signifikanten Effekt auf den Verkauf der Bücher hat. Im Rahmen dieses Pilotprojekts „OAPEN-NL – A project exploring Open Access monograph publishing in the Netherlands“ wurden im Zeitraum von Juni 2011 bis November 2012 die Nutzung und der Verkauf von 50 OA-Monographien untersucht, die bei neun verschiedenen Verlagen in Holland erschienen sind. Dank der Open Access Schaltung wurden die Monographien in Google Books häufiger gefunden und deren Online-Nutzung war deutlich höher. Bei einem Vergleich der OA-publizierten Monographien mit der Kontrollgruppe von gedruckten Büchern stehen im selben Zeitraum 144 verkaufte Bücher 2800 Downloads der OA-Monographien gegenüber (Durchschnittswerte aller 50 Monographien).

    Freundliche Grüsse
    Ingrid Kissling-Näf

  • isidor wallimann

    Dienstag, 20. Mai 2014 06:37:27

    Den NZZ Artikel (19.5.14) von Prof. Caspar Hirschi finde ich sehr gut.
    Kommt hinzu, dass die Erzeugung von Wissen ein sozialer Prozess ist. Sehr oft
    wird dieser mit öffentlichen Mitteln gefördert. Die Ergebnisse aber werden in
    verschiedenen Formen und auf verschiedenen Ebenen privatisiert, gewinnbringend
    verkauft - auch mit Monopolrente. Um das sozial und mit öffentlichen Geldern
    erzeugte Wissen allerdings der Öffentlichkeit demokratiewürdig wieder
    zugänglich zu machen, müssen wiederum öffentliche Mittel eingesetzt werden -
    hier und umso mehr in Entwicklungsländern. Open Source, nicht open Access
    scheint hier angesagt zu sein. Das Wissen zur Allmende machen.

    Isidor Wallimann
    Maxwell School, Syracuse University

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