Abschottung – Ecopop weist der Schweiz den falschen Weg!

​Abschottung als Rezept, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten? – Wer dies und damit wohl auch die Ecopop-Initiative bejaht, verkennt zwei Dinge: Umwelt und Ressourcen können nur grenzübergreifend nachhaltig geschützt und erforscht werden. Und: Das Wohlergehen der Schweiz – und nicht zuletzt auch die Stärke ihres Forschungsplatzes - ist aufs Engste verbunden mit internationaler Vernetzung und Weltoffenheit.

Die von Ecopop geforderte rigorose Begrenzung der Einwanderung ändert nichts an den drängendsten globalen Herausforderungen in Bezug auf den Schutz von Umwelt und Lebensgrundlagen. Klimaerwärmung, Entwicklung erneuerbarer Energien und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion können nur in der Ländergemeinschaft erfolgreich angegangen werden, gerade auch in der Forschung. Im Rahmen internationaler Forschungskooperationen kann die Schweiz massgeblich dazu beitragen, innovative Lösungen zu finden, um den zunehmenden Ressourcenverbrauch und die fortschreitende Umweltzerstörung durch den Menschen einzudämmen. Isoliert kann die Schweiz diese Probleme nicht lösen, schon gar nicht durch eine starre Beschränkung der Zuwanderung und gut gemeinte Versuche zur Geburtenkontrolle in Entwicklungsländern.

Stimmen wir der Ecopop-Initiative zu, ist die Schweiz künftig weitgehend von der notwendigen Forschungszusammenarbeit in Europa ausgeschlossen. Ein Ja hätte auch gravierende Folgen für den Forschungsplatz Schweiz selbst. Durch die strikte Beschränkung der Zuwanderung wäre es den Schweizer Hochschulen und auch der Industrie kaum mehr möglich, die für einen Topstandort notwendigen qualifizierten Forschenden aus dem Ausland zu rekrutieren. Damit wäre die heutige Stellung der Schweiz als weltweit bedeutende und attraktive Wissenschafts- und Innovationsnation aufs höchste bedroht.

Weltoffenheit und auch Flexibilität haben der Schweiz in den letzten Jahrzehnten eine blühende Wirtschaft und Wissenschaft beschert – damit dies kein abruptes Ende nimmt, braucht es am 30. November ein klares und überzeugtes NEIN!

Gabriele Gendotti
Präsident des Stiftungsrats des Schweizerischen Nationalfonds

3 Kommentare

  • Martin Zabe-Kühn

    Mittwoch, 12. November 2014 12:50:05

    Lieber Herr Gendotti

    Vielen Dank für diese offenen und deutlichen Worte.
    Wissenschaft soll sich ja aus der Politik heraushalten, was immer weniger gelingen kann.
    Also rufen wir weiterhin: Eppur si muove

  • glancy mueller

    Mittwoch, 12. November 2014 12:52:07

    Grundsätzlich stimme ich zu. Nur, von den führenden Gremien in Wirtschaft und Politik wird uns ein hemmungsloser Egoismus vorgelebt. Jeder ist sich selbst der Nächste und rafft, was er kann (NR Fehr, NR Kiener-Nellen, Bankkader usw.) Wer kann es zum Beispiel den 3000 arbeitslosen einheimschen Ingenieuren (viele über 50 Jahre alt) verdenken, dass sie nicht Gleiches für sich selbst fordern? Und durch ein "Ja" zu Ecopop an der Urne, ihre Chance auf einen Job erhöht sehen? Gilt natürlich auch für alle anderen Berufsklassen, nur steht es um die Ingenieure ganz schlecht. Wenn einer nicht haargenau das Anforderungsprofil eines Jobs erfüllt, wird dafür ein williger (und billigerer) aus dem Ausland importiert, siehe Ärztemangel. Statt ein bisschen Zei und Geld zu investieren, "kaufen" sich die Firmen den massgenscheiderten ausländischen Ingenieur. Was bleibt ist ein Heer von desillusionierten Arbeitnehmern, die nur für mies bezahlte Jobs noch zum Einsatz kommen. Sobald sich Politik und Wirtschaft wirklich Mühe geben würden, diese Leute wieder in Anstellung zu bringen, würden auch sie auch die Initiative ablehnen, garantiert. Diese Leute mit ihren (reellen) Ängsten werden aber nicht Ernst genommen und auf dem RAV später in der Sozialhilfe entsorgt. Sorry Politiker und Wirtschaftskapitäen, ein "Ja" an der Urne habt ihr euch selber zuzuschreiben. Schuldzuweisungen an das "tumbe" Wahlvolk sind fehl am Platz.

  • Hans Geiger

    Freitag, 14. November 2014 14:54:39

    Die beiden ETH's kämpfen im Namen des Forschungs- und Ausbildungsplatzes für die freie Zuwanderung. Zum "Schutz" ihrer streuerfinanzierten Hochschulen fordern sie eine Beschränkung der Zulassung ausländischer Studierender. Wie bitte? Bitte JA zu Ecopop.

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