Wissenschaftliche Karrieren von Frauen gezielt fördern

​Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter publiziert wird - zuletzt der "Global Gender Gap Report 2014" des World Economic Forum (WEF). Dieser Bericht analysiert Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in 142 Ländern aufgrund von Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Bildung und Gesundheit.

Die Resultate für die Schweiz sind ernüchternd: Im Lauf der Jahre hat sich die Situation zwar stetig verbessert, aber der Fortschritt hat sich verlangsamt oder ist in letzter Zeit sogar zum Stillstand gekommen. In Bezug auf Wissenschaft und Forschung fällt auf, dass es im Bereich der Ausbildung keine namhaften Unterschiede gibt. Bei den höheren akademischen Positionen und den eingeworbenen Forschungsgeldern sieht man aber erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Der prozentuale Anteil von Doktorandinnnen steigt zwar stetig an, aber der Frauenanteil nimmt mit jeder Karrierestufe ab. Auf den unteren Stufen finden sich zunehmend mehr Frauen, aber sie werden nicht befördert, und viele entscheiden sich, der Wissenschaft den Rücken zu kehren. Ich bin überzeugt, dass dies auf falschen und unbewussten Annahmen und Überzeugungen beruht, zum Beispiel, dass eine Familie und eine wissenschaftliche Karriere sich gegenseitig ausschliessen, oder, noch schlimmer, dass Männer bessere Wissenschaftler abgeben als Frauen.

Mit seiner Förderungspolitik kann der SNF solche Überzeugungen beeinflussen. Um Frauen zu fördern, wollen wir ein neues Förderungsinstrument namens PRIMA (promoting women in academia) zur Förderung der talentiertesten Frauen auf fortgeschrittener Postdoc-Stufe lancieren. Es soll sie unterstützen, damit sie als Kandidatinnen für zukünftige akademische Positionen zur Verfügung stehen. Das Instrument soll intensives Networking und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten und durch das Mentoring Kontakte zu führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herstellen.

Dass der SNF die Situation nicht im Alleingang verändern kann, ist klar: Jede Hochschule und jedes Forschungszentrum ist dafür verantwortlich, dass sich ihre Forscherinnen willkommen und unterstützt fühlen. Es braucht einen höheren Anteil an Forscherinnen mit erfolgreichen akademischen Karrieren, damit nicht aufgrund unbewusster und häufig falscher Annahmen talentierte Frauen die Wissenschaft an den Nagel hängen. Die Zukunft ist rosig, wenn wir uns der Herausforderung stellen!

Susan Gasser
Präsidentin der Gleichstellungskommission des SNF

4 Kommentare

  • Ursula Stohler

    Mittwoch, 12. November 2014 11:21:35

    Sehr geehrte Frau Gasser, herzlichen Dank für diesen Beitrag und für die Perspektive auf PRIMA. Wann erscheinen mehr Informationen zu diesem Förderinstrument? Ich denke, karrierefördernde Massnahmen für Frauen, beispielsweise Kurse zu Berufungsverfahren oder akademische Coachings, sind sehr wertvoll und effizient, und es ist begrüssenswert, dass der SNF Forscherinnen ermöglicht, an diesen teilzunehmen.

  • Sabine Hohl

    Montag, 17. November 2014 17:41:26

    Sehr geehrte Frau Gasser, vielen Dank für diese Infos. Ich habe hier zu diesem neuen Instrument gebloggt: http://all-things-considered.net/2014/11/prima/

  • Stefanie Muff

    Dienstag, 20. Januar 2015 12:46:01

    Sehr geehrte Frau Gasser, liebe Frau Hohl, vielen Dank, das ist spannend. Ich denke auch, dass das MHV Förderinstrument eine Erneuerung gut gebrauchen könnte. Wie Frau Hohl schreibt, ist anscheinend geplant, PRIMA für Frauen bis 4 Jahre nach ihrem Doktorat zu öffnen. Aber hier sehe ich leider wieder das alte Problem: Wenn eine Frau in dieser Zeit einen Unterbruch ihrer Forschungstätigk macht, was vor allem aus familiären Gründen passiert, ist sie bereits wieder zu spät dran. Die Zeit nach der Dissertation ist aber oft die optimalste Zeit, um Kinder zu bekommen, denn vorher ist dies oft schon aus finanziellen Gründen nicht möglich, und viel länger möchte Frau vielleicht gar nicht warten. Damit muss sie sich ein Stück weit zwangsläufig wieder zwischen Forschung und Familie entscheiden.
    Warum wird eigentlich in der Forschung immer so stark auf das (biologische) Alter geachtet? Eine 35-jährige Frau hat ja noch 30 Arbeitsjahre vor sich, vermutlich sogar noch mehr, sollte sich das Rentenalter erhöhen, was aus demografischer Sicht vermutlich realistisch ist. Mir scheint aber, dass zwiscen 35 und 40 ein kritisches Alter ist, danach sinken die Aussichten auf eine Professur drastisch. Fairerweise sollten aber effektive Arbeitszeiten berücksichtigt werden. Darum wäre eine Alternative zu den "4 Jahren nach der Diss" vielleicht "4 effektive Arbeitsjahre nach der Diss", d.h., die reale Zeit minus die Unterbrüche oder die Einbussen wegen Teilzeitarbeit.

  • sabine Mayer

    Freitag, 13. November 2015 09:58:47

    Hallo Frau Gasser! Ich habe seinerzeit den Beitrag gelesen weil ich auf frauenbewerten.de mal über Sie gelesen bzw von ihrem Blog erfahren hatte! Damals hatte ich nicht kommentiert (was ich heute bereue weil ich ihn sehr gut fand) nun interessiert mich aber doch was sich in der Zwischenzeit getan hat oder ob es was aktuelles zu berichten gibt. Danke und LG Sabine Mayer

Ihr Kommentar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren oder zu kürzen.

*Pflichtfelder