Der Tiger erwacht

04.03.2016

Noch ist die Forschung fest in den Händen der westlichen Welt. Sie wird aber immer globaler. Besonders China rüttelt an der bisherigen Ordnung.

(Aus "Horizonte" Nr. 108 März 2016)​​​

Asien gewinnt an Fahrt

Der Anteil der Forschungsarbeiten mit Beteiligung asiatischer Forschender verdreifachte sich in drei Jahrzehnten auf heute 21 Prozent. Europa hat Nordamerika 1995 überholt und weist nun stabile Zahlen auf. Die Wachstumsraten der aufstrebenden Regionen (Asien, Afrika, Lateinamerika) betragen bis zu 8 Prozent. Das Gesamtvolumen der Publikationen hat sich auf 2,4 Millionen Artikel pro Jahr verdreifacht.

Methode: Berücksichtigung der Institute in der Liste der Koautoren. Quelle: Thomson Reuters (SCI, SSCI, A&HCI). Bearbeitung: SBFI.

USA verlieren die Vorherrschaft

Der Anteil der Publikationen aus den USA ist in drei Jahrzehnten von 40 auf 27 Prozent gefallen. China verzeichnete einen spektakulären Anstieg von unter 1 auf 8 Prozent. Namentlich Südkorea, Taiwan, Brasilien und Indien veröffentlichten wesentlich mehr. Der Anteil der Schweiz blieb sehr stabil.

Westliche Qualität

Die Arbeiten aus den USA, der Schweiz und Grossbritannien haben den höchsten wissenschaftlichen Impact. Die Qualität der Forschung aus den Schwellenländern ist noch unter dem weltweiten Durchschnitt (100 Punkte), hat sich aber stark gesteigert, besonders in China, das seit 1981 von 30 auf 71 Punkte zulegte.

Die Schweiz produziert seit 2007 die höchste Anzahl wissenschaftlicher Artikel pro tausend Einwohner (3,9), noch vor den skandinavischen Ländern und deutlich vor den USA (2,2). Asien ist wesentlich weniger produktiv (China: 0,16, Indien: 0,04).

Methode: Der Impact berücksichtigt die Anzahl Zitierungen pro publizierten Artikel, bereinigt nach Forschungsdisziplin. Zahlen: Durchschnitt 2009–2013.

Zwei Supermächte

Die US-Regierung wendet mit 153 Milliarden Dollar pro Jahr am meisten für Forschung und Entwicklung auf: fünf Mal mehr als Deutschland und doppelt so viel wie China. China verfügt dafür mit mehr als 1,4 Millionen Forschenden über das grösste Humankapital. Als weitere Schwellenländer folgen Südkorea und Singapur.

Methode: Anzahl Forschende (Vollzeitäquivalent), die ausserhalb des Privatsektors in Forschung und Entwicklung (F + E) tätig sind; Ausgaben der Regierung für F + E (einschliesslich Hochschulen). Zahlen: 2012 oder 2013.

 

Quellen: Analyse bibliométrique de la recherche scientifique en Suisse 1981 – 2011 (actualisées en 2016), SBFI; Unesco, Institute for Statistics, Science, technology and innovation, 2015; OECD, Main Science and Technology Indicators, July 2015.