"Internationale Koautoren-Netzwerke sollten gefördert werden"

14.03.2016

Dominique Foray von der EPFL hat die Laufbahn von 4666 Doktorandinnen und Doktoranden der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen verfolgt. Das Ergebnis: Ein Doktorat an einer anderen Institution erhöht die Produktivität. Interview

(Aus "Horizonte" Nr. 108 März 2016)​​​

​Wie sind Sie vorgegangen?

Ich untersuchte zusammen mit meiner Kollegin Fabiana Visentin den Einfluss der Rekrutierungsart für Doktorierende auf deren wissenschaftliche Produktivität zwischen 2000 und 2008, gemessen an der Anzahl Publikationen. Wir wollten wissen, ob Doktorierende produktiver sind, die von einer anderen Institution kommen und deren Betreuer Forschungsbeziehungen zu dieser Einrichtung unterhalten.

Das Ergebnis?

Extern rekrutierte Doktorierende sind produktiver als Interne. Die Produktivsten kommen aus anderen Institutionen, zu denen die Betreuenden Kontakte unterhalten, namentlich mit Koautoren. Sie sind zehn Prozent produktiver als Studierende einer Universität ausserhalb des Beziehungsnetzes der Professorin oder des Professors und 16 Prozent produktiver als Studierende, die für die Dissertation an derselben Einrichtung geblieben sind.

Ihre Interpretation?

Soziale und berufliche Beziehungen sind wichtig für die oft schwierige Aufgabe, gute Doktorierende zu rekrutieren. Das Beziehungsnetz der Professorin oder des Professors ist ein wichtiges Instrument zur Auswahl geeigneter Kandidaten.

Die Konsequenzen für die Hochschulen?

Unsere Ergebnisse sind interessant für Institutionen wie die EPFL, die ihre Rekrutierung global ausrichten. Es ist richtig, die Tore zu öffnen und Diplome aus der Ferne eingehend zu prüfen. Genauso wichtig ist es aber, die Forschenden zum Ausbau ihrer Netzwerke von Koautoren zu ermutigen, insbesondere in Ländern, die für die Rekrutierung interessant sind. Gewisse amerikanische Universitäten verfolgen diese Strategie: Sie holen chinesische Forschende nicht nur ihrer Qualitäten wegen, sondern auch, weil diese in Netzwerke ihrer Heimat eingebunden sind, die für die Rekrutierung weiterer Doktorierender hilfreich sind.