Marie Heim-Vögtlin-Preis 2016 an Literaturwissenschaftlerin Zoë Lehmann Imfeld verliehen

22.06.2016

Zoë Lehmann Imfeld nahm am 21. Juni am Sitz des SNF in Bern den Marie Heim-Vögtlin-Preis für ihre Arbeit zur Rolle des Gespenstes und des Fantastischen in der viktorianischen Literatur entgegen.

Die 36-jährige Fachfrau für englische Literatur und Theologie, die an der Universität Bern forscht, wurde für ihre sehr originelle Dissertation ausgezeichnet, in der sie eine theologische Lesart der Ghost Story in der englischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts anbietet. Die Übergabe des mit 25'000 Franken dotierten Marie Heim-Vögtlin-Preises bildete den Abschluss der Konferenz "Gender and Excellence in Research".

"Killing the angel in the house"

Susan Gasser, die Präsidentin der Gleichstellungskommission des SNF, eröffnete vor rund 40 Anwesenden die Preisverleihung. Sie erinnerte an den avangardistischen Werdegang von Marie Heim-Vögtlin, an die der Preis als Namensgeberin erinnert. Sie war die erste Schweizerin, die Medizin studierte und 1873 an der Universität Zürich das Doktorat erhielt. Und sie war insbesondere eine Pionierin beim Kampf der Frauen für den Zugang zu höheren Studien.

Susanna Burghartz, Mitglied des Forschungsrats und des Fachausschusses Karrieren des SNF sowie Expertin für Frauen- und Gendergeschichte, unterstrich in ihrer Ansprache die grosse Hingabe der Preisträgerin für ihr Forschungsobjekt und ihre Bestimmtheit, mit der sie ihre akademische Karriere auch auf unkonventionellen Wegen verfolgt, "not only by joining two unusual fields of research but also in the way she managed to bring together her familial, job and study duties all at once namely by making use of the possibilities offered by the Open University." Virginia Woolf zitierend wies sie auf die Erscheinung eines anderen Phantoms weiblicher Hingabe hin, welches die Frauen mit einer akademischen Karriere auch weiterhin verfolgt, jenes von "the angel in the house" - ein Klischee, das Frauen laufend zu bekämpfen haben. 

Auf der Suche nach einer disziplinenübergreifenden Sprache

Sabine Schneider, Mitglied des Forschungsrats und Präsidentin der MHV-Evaluationskommission in Geistes- und Sozialwissenschaften des SNF, lobte die Preisträgerin in ihrer Laudatio ausdrücklich: "Zoë Lehmann Imfeld, with her remarkable CV and scientific work, stands out as a bright and highly successful former MHV grantee." Nachdem sie auf den Werdegang der Preisträgerin eingegangen war, betonte sie: "Zoë Lehmann was able to bring together in her thesis wide-ranging philosophical and theological competences with literary criticism and philological precision, opening the way for a new research paradigm. And it is a pleasure to read these original and fresh thoughts of a young colleague written in an elegant, ingenious and fluid style."

Die Preisträgerin Zoë Lehmann Imfeld gab anschliessend einen Einblick in ihre Forschungsarbeit an der Schnittstelle von Literatur, Theologie und Philosophie: "Theologians are well used to turning to literary texts to explore their theological ideas and problems, but literature scholars using theology as a tool? In my experience it makes us uncomfortable. The problem with this is that when we read texts which are potentially full of fascinating and nuanced theological and philosophical ideas, we lack the working vocabulary to fully engage with those ideas. We are not reading them in the same way as they were written." Schliesslich unterstrich sie die grosse Bedeutung der finanziellen Unterstützung für ihre akademische Karriere: "Being awarded a MHV grant meant that I could contribute to supporting my family and do my PhD properly. The two were no longer in competition with each other. When I started the grant, I was just pleased that it would make it realistic for me to finish my PhD. I realise now that it was actually opening the door to my long term academic prospects."

Zoë Lehmann Imfeld führt ihre interdisziplinäre Arbeit zurzeit als Postdoktorandin am Center for Space and Habitability der Universität Bern fort. Zudem ist sie als Dozentin am Department of English derselben Hochschule tätig.

Medienmitteilung vom 04.05.2016

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