Vielfalt wird aus der Ferne sichtbar

28.09.2016

(Aus "Horizonte" Nr. 110 September 2016)​​​

Was wirkt wie eine pointillistische Stilübung, zeigt den Wald auf der Lägern bei Baden, bestehend aus 44 000 Baumkronen. Das Bild illustriert die ziemlich grosse Vielfalt an biologischer Aktivität auf dem Gebiet im Juli 2015, wobei beispielsweise Rosarot auf einen hohen Chlorophyllgehalt hindeutet. Mit zwei hochsensiblen Messgeräten untersucht das Team um den Geografen Michael Schaepman von der Universität Zürich aus dem Flugzeug die Diversität der Vegetation.

Ein Laserscanner (Lidar) tastet die Oberfläche ab und bestimmt Höhe, Dichte und Form sämtlicher Bäume auf dem 1,5 mal 3 Kilometer grossen Gebiet. Ein abbildendes Spektrometer misst, wie eine Art Kamera, gleichzeitig auf 500 verschiedenen Kanälen sichtbare und unsichtbare Farben. So erfassen die Forschenden in jedem Bildelement von zwei Meter Seitenlänge neben Chlorophyll den Gehalt von 15 weiteren Stoffen wie Zellulose, Wasser und Stickstoff.

Insgesamt sechs Leute arbeiteten fast drei Jahre daran, die Datensätze miteinander zu verbinden und mit den am Boden erhobenen Informationen abzugleichen. Die Lägern ist eines der Testgebiete, auf denen für die Fernerkundung ("remote sensing") hochpräzise Methoden entwickelt werden. Diese sollen grossflächig ausgedehnt werden, um die Veränderung der Biodiversität systematisch zu überwachen. "Wir sind damit in der Lage, die Vielfalt der biologischen Funktionen mit hoher Genauigkeit zu messen", sagt Schaepman. Die Methode soll für Grasland, Regenwald und arktische Tundra erweitert werden: "Unser Fernziel ist, Satelliten mit Messgeräten so auszustatten." ff

Bild: UZH: Fabian Schneider, Reik Leiterer, Felix Morsdorf, Michael Schaepman