Vernetzte Forschung für einen und alle

12.10.2016

Von Maurice Campagna

(Aus "Horizonte" Nr. 110 September 2016)​​​

​Die Entwicklungen in den Life Sciences betreffen jede einzelne und jeden einzelnen von uns – und das auf einer ganz intimen Ebene. Personalisierte Medizin verändert unseren Umgang und unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit von Grund auf. In Grundlagenforschungs- und klinischen Forschungsprojekten an Schweizer ETHs, Universitäten und Spitälern entstehen riesige Mengen an persönlichen Daten. Informationen auf genetischer Ebene fliessen mit klinischen Daten und Informationen aus Biobanken zusammen. Doch wie können wir diese Informationen sicher und sinnvoll auswerten, damit jeder einzelne Patient und jede einzelne Patientin von verbesserten Vorbeugungsmassnahmen, Medikamenten und Therapien profitieren kann? Wie lassen sich die Daten so für die Gesellschaft bereitstellen, dass beispielsweise seltene Krankheiten ohne unverhältnismässigen Aufwand früher erkannt werden können? Die exzellente Forschung auf dem Wissensplatz Schweiz bringt mit beständiger Regelmässigkeit neue Resultate und Methoden hervor, die unser Land auch im internationalen Vergleich hervorstechen lassen. Die Herausforderungen, vor denen Forscherinnen und Forscher an unseren ETHs, Universitäten und Universitätsspitälern stehen, sind immens: Die Daten müssen sinnvoll ausgewertet werden können. Datenaustausch und -interoperabilität – beides essenziell für den Fortschritt – müssen gewährleistet sein, die Speicherung muss gesichert sein, die Datenqualität darf nicht leiden, und die Eigentumsrechte müssen geklärt sein.

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz setzen sich ein, dass das Thema Personal Health aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und mit wissenschaftlicher Transparenz vorangetrieben wird. Seit 2014 hat sich das "Swiss Personal Health Network" formiert, in dem alle wichtigen Akteure vertreten sind. Das Netzwerk soll sicherstellen, dass die Fortschritte in den molekularen Life Sciences und in der Informationstechnologie für Forschung und Innovation an Hochschulen und für die Industrie zugänglich sind. Anstelle von Doppelspurigkeiten und regionalen Datenfriedhöfen entsteht so die Datengrundlage für die künftige Spitzenforschung und für eine bessere Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

Institutionen und führende Forscherinnen und Forscher haben die tragende Rolle der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW erkannt: Die SAMW wird – in Partnerschaft mit dem Swiss Institute of Bioinformatics (SIB) – von 2017 bis 2020 die Gesamtkoordination sicherstellen. Im Rahmen dieser nationalen Förderinitiative kann das Wissen aller Akademien und Kompetenzzentren einfliessen. Die Expertise dieses 100 000-köpfigen Netzwerks hat genau diese Verantwortung: über bestehende Grenzen hinaus Vorhaben und Akteure zu vernetzen. Nicht zuletzt bei einem so persönlichen Thema wie der personalisierten Medizin müssen wir uns auf das gesamte kollektive Wissen stützen und verlassen können.

Maurice Campagna ist seit dem 1. Januar 2016 Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz.