"Die Wissenschaft sitzt mit am Tisch der Staatsoberhäupter"

23.06.2017

2019 soll der erste Weltnachhaltigkeitsbericht der Uno erscheinen, der Global Sustainable Development Report (GSDR). Der Berner Geograf und Professor für Nachhaltige Entwicklung Peter Messerli wurde zum Co-Vorsitzenden des 15-köpfigen Expertengremiums ernannt. Weitreichende Einflussmöglichkeiten der Wissenschaft im höchsten politischen Gremium der Welt locken als Lohn für den engen Zeitplan und hoch gesteckte Ziele.

(Aus "Horizonte" Nr. 113 Juni 2017)​​​

​Welche Aufgaben hat der Weltnachhaltigkeitsbericht?

An der Nachhaltigkeitskonferenz 2012 in Rio haben die Uno-Mitgliedsstaaten entschieden, den Wissensaustausch zwischen Politik und Wissenschaft zu stärken. Der Bericht ist wichtig für die Umsetzung und Kontrolle der Entwicklungsziele der Uno- Agenda 2030. Es gibt aber keine simple Zauberformel. Nun geht es darum, mit Fakten und Wissen die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen. Nur so können wir faire Entscheidungen treffen.

Mit welcher Strategie wollen Sie diese Herkulesaufgabe bewältigen?

Wir wollen den Bericht in vier grosse Bereiche gliedern. Die Kapitel konzentrieren sich erstens auf die Analyse von Wechselwirkungen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Zweitens fokussieren wir auf den Umsetzungsprozess: Welche Veränderungen sind überhaupt möglich, und wie gehen wir sie an? Drittens müssen wir die Augen offen halten für neue, in der Agenda 2030 noch nicht berücksichtigte Themen.

Und viertens?

Wir wollen und können die Stimme der Wissenschaft substanziell stärken. Dazu müssen wir die passenden Methoden entwickeln und anwenden, um an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik Lösungen zu finden. Da sehe ich in der Politik und in der Wissenschaft grossen Handlungsbedarf.

Ein weiterer Bericht für die Schublade?

Nein, im Gegenteil. Die Stimme der Wissenschaft wird direkt am Tisch vertreten sein, wenn sich 2019 die Staatsoberhäupter aller Mitgliedsstaaten an der Uno-Vollversammlung treffen werden.

Wie kommt ein Schweizer zu dieser Position?

Die Schweiz ist ein Hotspot für Global- Change-Forschung. In unserem demokratischen System leben wir den Austausch zwischen Politik, Bevölkerung und Wissenschaft. Auch deshalb war die Wissenschaft von Beginn an in der Schweizer Delegation vertreten.

Interview: This Rutishauser