Nicola Spaldin erhält Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist

05.09.2019

Nicola Spaldin, Trägerin des Preises Marcel Benoist 2019

Nicola Spaldin, Professorin für Materialtheorie der ETH Zürich, wird mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist ausgezeichnet – für ihre bahnbrechende Forschung zu Multiferroika. Sie legte damit die Grundlage für eine neue Technologie ultraschneller und energieeffizienter Datenspeicherung. Bundesrat Guy Parmelin hat Nicola Spaldin persönlich über die Auszeichnung informiert und wird den mit 250'000 Franken dotierten Preis am 7. November 2019 in Bern überreichen.

Multiferroika sind eine neuartige Klasse von Substanzen, die sowohl auf magnetische als auch auf elektrische Felder reagieren – eine Kombination, die normalerweise nicht vorkommt. Diese Eigenschaft macht Multiferroika zu vielversprechenden Materialien, die zum Beispiel das Silizium in zukünftigen Computerchips ersetzen könnten.

Die Erforschung von Multiferroika geht auf die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Die Forschung entwickelte sich jedoch mangels geeigneter Materialien während beinahe 50 Jahren kaum weiter. Mittels theoretischer Analysen und Computersimulationen untersuchte Nicola Spaldin als junge Wissenschaftlerin, wieso Multiferroika so selten vorkommen und wie neue Materialien mit diesen Eigenschaften entwickelt werden können. Ihre Arbeiten belebten den Forschungszweig zu Multiferroika von neuem. Besonders beschäftigt hat sie sich mit Bismutferrit, einem Kristall aus Bismut, Eisen und Sauerstoff, der seine multiferroischen Eigenschaften auch bei Raumtemperatur behält.

Grundlagenforschung für neue Technologien

Dank der Pionierarbeit von Nicola Spaldin können künftig elektronische Geräte mit einer gänzlich neuen Architektur und höherer Energieeffizienz entwickelt werden. Mögliche Anwendungen sind ultraschnelle Rechner, winzige Datenspeicher oder medizinische Präzisionsmessungen.

"Es ist eine grosse Ehre für mich, mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist ausgezeichnet zu werden – einem Preis, den schon viele namhafte Wissenschaftler gewonnen haben. Der Preis ist auch eine tolle Anerkennung für mein Team von ausgezeichneten jungen Forscherinnen und Forschern. Er bestätigt zudem, welch wichtige Rolle Materialien spielen, wenn es darum geht, verschiedene Aspekte unseres Lebens zu verbessern", sagt Nicola Spaldin und fügt an: "In der Schweiz schätze ich die exzellenten Bedingungen, welche ich für meine Forschung vorfinde. Ich geniesse die Zusammenarbeit mit meinen motivierten und talentierten Mitarbeitenden und Studierenden und freue mich über die Begeisterung, welche die Schweizer Gesellschaft den Ingenieurwissenschaften und der Bildung im Allgemeinen entgegenbringt."

Nach der Mikrobiologin Françoise Gisou von der Goot im Jahr 2009 ist Nicola Spaldin die zweite Frau, die in der bald hundertjährigen Geschichte des Schweizer Wissenschaftspreises Marcel Benoist geehrt wird. "Wir sind erfreut, dass wir mit Nicola Spaldin eine exzellente Forscherin aus einem hochinnovativen Feld der Naturwissenschaften auszeichnen dürfen. Sie ist dank ihrer Neugier und ihrem Durchhaltewillen ein Vorbild für den gesamten Wissenschaftsbetrieb, besonders für den wissenschaftlichen Nachwuchs", sagt Bundesrat Guy Parmelin, Präsident der Stiftung Marcel Benoist.

Seit 1920 zeichnet die Stiftung mit dem renommiertesten Wissenschaftspreis der Schweiz herausragende Forschung aus, die für das menschliche Leben von Bedeutung ist. Zehn Preisträger haben später den Nobelpreis erhalten.

Auswahl durch den Schweizerischen Nationalfonds

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) war im Auftrag der Stiftung Marcel Benoist zum zweiten Mal in Folge für die Auswahl der Preisträgerin oder des Preisträgers zuhanden des Stiftungsrats verantwortlich. Das eigens für den Wissenschaftspreis Marcel Benoist entwickelte Auswahlverfahren hat sich bewährt.

Die Auswahl erfolgte weitgehend anonymisiert. Das Geschlecht, die Publikationsliste und die Hochschule der 15 Anwärterinnen und Anwärter wurden erst in einer zweiten Bewertungsrunde dem Evaluationsgremium offengelegt. «An die Auswahl der besten Forschenden der Schweiz werden hohe Anforderungen gestellt. Der SNF wendet innovative Verfahren an, die ein Maximum an Fairness garantieren», sagt Matthias Egger, Präsident des Nationalen Forschungsrats.

Zur Preisträgerin

Nicola Spaldin wurde 1969 in England geboren und studierte an der Universität Cambridge Naturwissenschaften. 1991 siedelte sie nach Kalifornien um, wo sie 1996 an der Universität von Kalifornien in Berkeley den Doktortitel in Chemie erwarb. Es folgte ein Postdoktorat an der Universität Yale. Anschliessend arbeitete sie von 1997 bis 2010 zunächst als Assistenz- und ab 2006 als ordentliche Professorin an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. 2011 wechselte sie an die ETH Zürich, wo sie seither als Professorin für Materialtheorie tätig ist. Spaldin hat zahlreiche Auszeichnungen in Lehre und Forschung erhalten, u.a. den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2015 und den UNESCO L’Oréal Award für Wissenschaftlerinnen 2017.

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