Bereits 235 frei zugängliche Bücher gefördert

26.03.2020

Seit April 2018 übernimmt der SNF die Kosten für die sofortige Open-Access-Veröffentlichung von Büchern. Damit erhalten die Forschenden höhere Sichtbarkeit und ihre Resultate stehen rasch zur Weiternutzung bereit.

100 Prozent Open Access (OA) hat sich der SNF zum Ziel gesetzt. Er erachtet mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsresultate als öffentliches Gut. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für Artikel in Zeitschriften, sondern auch für Bücher. Der SNF hat daher als eine der ersten Förderungsorganisationen in Europa Bücher in die Open-Access-Förderung eingeschlossen. Forschende können Unterstützung beantragen, um die Kosten der Verlage für OA-Publikationen zu decken. Der SNF vergütet die sogenannten Book Processing Charges (BPC) – unabhängig davon, ob die im Buch publizierten Resultate aus einem SNF-finanzierten Forschungsprojekt stammen oder nicht.

Durchschnittlich 15'000 Franken

Das Angebot für Bücher stösst auf Resonanz: 2018 haben Forschende im Durchschnitt 11 Beiträge pro Monat beantragt, 2019 waren es 15 Beiträge pro Monat. Bis Ende 2019 hat der SNF 235 OA-Bücher mit 3,6 Millionen Franken gefördert oder im Durchschnitt 15'400 Franken pro Buch. Die Mehrheit der Beiträge entfällt auf die Geisteswissenschaften, wo Bücher weiterhin ein zentrales Medium zur Verbreitung von Wissen sind.

"Die wachsende Nachfrage ist sehr ermutigend", sagt Regula Graf, beim SNF zuständig für die Förderung von OA-Büchern. "Immer mehr Forschende veröffentlichen ihre Resultate sofort frei zugänglich, nutzen also den goldenen Weg. Der finanzielle Beitrag des SNF unterstützt sie dabei."

Die Finanzierung ist modular aufgebaut. Das Basismodul übernimmt Kosten bis maximal 15'000 Franken, was für die Hälfte der Publikationen genügt. Wenn die Bücher sehr umfangreich sind oder besonderen Aufwand für das Layout erfordern, können zusätzliche Mittel beantragt werden. Mit einem weiteren Zusatzmodul unterstützt der SNF Bücher, die mit Audio- und Videodateien oder interaktiven Funktionen ergänzt sind. Dies trifft auf 6% der Anträge zu. Schliesslich finanziert der SNF auch das aufwändigere Lektorat von Büchern, die in einer Fremdsprache geschrieben werden, vor allem auf Englisch, damit sie grössere internationale Reichweite erzielen.

73 Verlage in acht Ländern

Die vom SNF geförderten OA-Bücher sind bei 73 Wissenschaftsverlagen in acht Ländern erschienen. Am häufigsten wurden Verlage in der Schweiz (45%) und in Deutschland (43%) gewählt. Drei Viertel der Bücher sind auf Deutsch (54%) und Französisch (24%).

"Die hohe Zahl der Verlage spiegelt die Vielfalt des Markts und zeigt, dass bereits ein grosses OA-Angebot besteht", sagt Regula Graf. "Für die Autorinnen und Autoren ist dies eine positive Entwicklung; so können sie den für ihr Buch passendsten Verlag auswählen."

Die Wissenschaftsverlage erschliessen mit den im Internet frei zugänglichen Publikationen neue Märkte. Allerdings müssen sie dafür einige Herausforderungen bewältigen. Wie bei Artikeln wird auch bei Büchern die Qualitätssicherung durch Peer-Review-Verfahren immer wichtiger. Der SNF verlangt für die finanzielle Förderung, dass die Verlage ein solches Verfahren durchführen und dokumentieren. Generell machen es Open Access und digitale Publikationen nötig, dass die Verlage ihre Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse anpassen.

Buchkapitel in Sammelbänden

Die Forschenden erhalten auch finanzielle Unterstützung für Buchkapitel, falls die Resultate aus SNF-finanzierten Forschungsprojekten stammen. Bisher hat der SNF sechs Beiträge für solche Book Chapter Processing Charges (BCPC)vergeben. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl zunehmen wird", sagt Regula Graf. "Gerade bei Sammelbänden ist der freie Zugang zu einer digitalen Version von grosser Bedeutung. Auf diese Weise werden die Buchkapitel sichtbarer und finden die Beachtung, die sie verdienen."

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Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften
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