Fünf neue klinische Studien gefördert

06.10.2020

Von Schlaganfällen bei Kindern bis zur Cholesterinbehandlung bei älteren Personen – der SNF unterstützt Studien in der Medizin mit 12,4 Millionen Franken.

​Kann es für die Behandlung von Krankheiten vorteilhaft sein, Medikamente abzusetzen? Manche medizinischen Fragen stehen nicht im Fokus der Industrie, obwohl sie für die Gesellschaft von grosser Bedeutung sind. Deshalb fördert der SNF seit 2016 herausragende klinische Studien zu solchen unzureichend erforschten Themen. Für die Ausschreibung 2019 des Programms "Investigator Initiated Clinical Trials" (IICT) hat er 29 Gesuche erhalten und unterstützt nun fünf davon mit insgesamt 12,4 Millionen Franken.

Entscheidende Erfolgsfaktoren für die eingereichten Gesuche waren zum einen ein hoher ungedeckter medizinischer Bedarf sowie die Relevanz der Fragestellung für Patientinnen, Patienten und die klinische Praxis. Zum anderen sollten die Projekte höchste methodische und statistische Standards anwenden sowie eine hohe Erfolgschance haben. Die ausgewiesene Erfahrung der Forschenden mit der Realisierung von grossen klinischen Studien war ebenfalls ausschlaggebend.

Für die Durchführung benötigen die Forschenden eine Bewilligung durch die kantonalen Ethikkommissionen und das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic.

Die fünf bewilligten Projekte

Mirjam Christ-Crain, Universitätsspital Basel: Welche Behandlung von zu tiefen Natriumsalzwerten im Blut ist verträglicher: Der sogenannte Pflegestandard oder eine Therapie basierend auf einem neuen Algorithmus?

Maja Steinlin, Inselspital Bern: Helfen hoch dosierte Steroide Kindern mit Schlaganfall und einer einseitigen Verengung der Hirnarterien?

Nicolas Rodondi, Berner Institut für Hausarztmedizin: Wie wirkt sich das Absetzen von cholesterinsenkenden Mitteln auf ältere Personen aus, die an verschiedenen Krankheiten leiden, aber ein gesundes Herz haben?

Iris Baumgartner, Inselspital Bern: Genügt es, Patientinnen und Patienten mit Diabetes, die an einem Fussgeschwür und chronischen arteriellen Durchblutungsstörungen leiden, gemäss aktuellem Standard zu behandeln? Oder müsste die Durchblutung der Beine durch andere Massnahmen sofort verbessert werden?

Benoit Guery, Universitätsspital Lausanne: Was wirkt einer Durchfallerkrankung, die durch eine Infektion mit dem Bakterium Clostridioides difficile verursacht worden ist, besser entgegen: eine Stuhltransplantation mit Mikroorganismen der normalen Darmflora oder Antibiotika?

Zwischen 70 und 2000 Patientinnen und Patienten

Pro Projekt haben zwei bis fünf Personen gemeinsam ein Gesuch gestellt. Zusätzlich sind je zwischen 10 und 26 weitere Projektpartner involviert. Rund vier bis fünf Jahre werden die Forschenden an ihren klinischen Studien arbeiten. Dafür rekrutieren sie zwischen 70 und 2000 Patientinnen und Patienten.

"Die durch den SNF geförderte Forschung schafft Wissen, das einen unmittelbaren medizinischen Fortschritt ermöglicht", sagt Deborah Studer, SNF-Hauptverantwortliche für IICT. "Wir sind stolz darauf, mit unserem Programm einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu leisten."

Seit 2016 hat der SNF insgesamt 28 klinische Studien gefördert und die nächste Ausschreibung ist bereits im Gang:Im Frühling dieses Jahres haben die Forschenden ihre Teilnahmeabsicht bekundet. Bis zum 2. November 2020 reichen sie die Gesuche ein. Der SNF führt das Programm weiter und optimiert es laufend.

Webseite IICT

Kontakt

Abteilung Biologie und Medizin
Deborah Studer
E-Mail iict@snf.ch