NFS MaNEP 

Eine Partnerschaft zur Neutronendressur

Von Anfang an bemühte sich der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) "MaNEP – Materialien mit neuartigen elektronischen Eigenschaften" um enge Verbindungen zur Industrie. Langfristig sollen so die für die Anwendungen der Zukunft erforderlichen Materialien entwickelt werden.

Zu den bekanntesten Anwendungen zählen die Supraleiter. Mit ihnen sollen immer höhere Stromlasten bei möglichst hohen Temperaturen und intensiven Magnetfeldern transportiert werden. Fortschritte auf diesem Gebiet sind nur mit Hilfe intensiver Materialforschung möglich.

Es ist daher kaum erstaunlich, dass der NFS "MaNEP", geleitet von Professor Øystein Fischer von der Universität Genf, auch das Interesse von Wirtschaftsakteuren ersten Ranges wie ABB oder Bruker auf sich zieht. Die Bedeutung dieser Partnerschaften liegt für Matthias Kuhn, im NFS "MaNEP" verantwortlich für den Technologietransfer, auf der Hand: "Der NFS konzentriert sich hauptsächlich auf die Grundlagenforschung. Die Unternehmen dagegen sind eher an der angewandten Forschung interessiert. Wir haben Brücken zwischen diesen beiden Welten gebaut, um die industrielle Nutzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung zu erleichtern."

Die Aufgabe ist nicht einfach. Die Kunst besteht darin, die Bedürfnisse der Unternehmen zu erkennen und daraus abzuleiten, mit welchen Entwicklungen die Grundlagenforschung diesen Bedürfnissen entsprechen könnte. Gelegentlich macht Matthias Kuhn Unternehmen aus, die von den Forschungsergebnissen des NFS "MaNEP" profitieren könnten. Häufiger jedoch ist es die Industrie, die mit einer Problemstellung an den NFS "MaNEP" herantritt.

Ein dritter Weg wurde von "SwissNeutronics" beschritten, nämlich der des Spin-offs. Das 1999 gegründete Unternehmen beschäftigt heute etwa zwanzig Mitarbeitende. Es ist aus dem Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen hervorgegangen, einem Forschungszentrum, das auf dem Gebiet der Neutronenquellen durch eine Anlage herausragt, die unter dem Namen "Swiss Spallation Neutron Source" (SINQ) bekannt ist. Dieses Gerät produziert einen Neutronenstrahl, der auf Gegenstände gelenkt wird, um diese genauestens untersuchen zu können. So können mit Hilfe der Neutronen z. B. Fehler in einem Teil gefunden werden, die man mit anderen Instrumenten nicht erkennen könnte!

Beim SINQ handelt es sich um ein sehr komplexes Gerät… das durchaus noch optimierbar ist. Neutronen sind nämlich undisziplinierte Teilchen, die man nur schwer steuern kann. Da sie keine elektrische Ladung haben, können sie die Materie leicht durchdringen. Das kann von Vorteil sein, erweist sich aber insbesondere dann als ungünstig, wenn man den Neutronenfluss durch einen Leiter lenken und konzentrieren will, um genauere Analyseergebnisse zu erhalten.

Die Forschenden des PSI haben Möglichkeiten entwickelt, um die Neutronen besser steuern zu können. Das war die Geburtsstunde von "SwissNeutronics". Die Partnerschaft dieses Unternehmens mit dem NFS "MaNEP" ist wenig überraschend, zählt doch das PSI zu den wichtigsten Partnern des NFS. "2004 wurde die Zusammenarbeit formalisiert", erläutert Matthias Kuhn. Seitdem finanziert "SwissNeutronics" anteilig die Forschungsarbeiten eines Postdoktorierenden im Schwerpunkt. Dieser erforscht Materialien, die für das Unternehmen interessant sein könnten. Sollten die Forschungen zu einer wichtigen Innovation führen, so hätte "SwissNeutronics" bei einer Lizenzvergabe Vorrang. "Ein Teil der Erträge, die das Unternehmen damit erzielen würde, ginge dann in Form von Lizenzgebühren an die Universitäten."

"SwissNeutronics" kann Fortschritte bei verschiedenen Projekten verzeichnen, die insbesondere darauf abzielen, überlagerte nanometrische Schichten auf die Innenfläche der Leiter aufzutragen – und dies für verschiedene Metallarten. Die Möglichkeiten, die diese Technik bietet, sind mehr als überzeugend und das PSI ist heute der wichtigste Käufer. Aber auch Laboratorien in den USA und in Japan sind an diesen Produkten interessiert.

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