Gemeinsam die Kommunikationsnetze der Zukunft knüpfen
Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sind attraktive Partner beim Technologietransfer. Der Telekom-Multi Nokia beispielsweise hat in Lausanne ein Forschungszentrum aufgebaut. Einer der Gründe für den Standort: Die Nähe zum NFS "MICS – Mobile Informations- und Kommunikationssysteme".
Das "Massachusetts Institute of Technology" in Boston, die Universität Cambridge, die Universität Peking – und nun die ETH Lausanne. Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia entschied sich 2008, eines seiner Forschungszentren am Genfer See anzusiedeln, weil sich auf dem Campus der ETH Lausanne der NFS "MICS" befindet. Hier entwickeln die Forschenden die mobilen Kommunikationsnetze der Zukunft. Und hier möchte Nokia in enger Zusammenarbeit mit den Schweizer Wissenschaftlern Projekte entwickeln, die das "Internet der Dinge" verbreiten sollen.
Warum hat Nokia sich für den Standort am Genfer See entschieden? "Wir setzen auf offene Partnerschaften mit den besten Hochschulen. Die ETH Lausanne befindet sich mit dem NFS 'MICS' ganz vorne auf den internationalen Ranglisten. Zudem verfügt sie über eine flexible Infrastruktur für Technologietransfer", erläutert Juha Laurila. "Nokia wollte die Tatsache nutzen, dass etwa 30 Professoren und 60 graduierte Studierende – die Hälfte davon an der ETH Lausanne – an Themen arbeiten, die unser Unternehmen direkt angehen", unterstreicht Martin Vetterli, ehemaliger Leiter des NFS "MICS" und jetziger Vizepräsident der ETH Lausanne, der die treibende Kraft für diese Partnerschaft war. "Unser dynamischer Campus und unsere interdisziplinäre Arbeitsweise auf verschiedenen Tätigkeitsebenen, von der Grundlagenforschung bis hin zu den Anwendungen, haben Nokia überzeugt", sagt Karl Aberer, Leiter des NFS "MICS".
Nokia profitiert vom Wissen, das im Rahmen des NFS "MICS" erworben wird, aber das Unternehmen hat im Gegenzug auch etwas zu bieten. Juha Laurila: "Unser Forschungsteam, das zurzeit aus etwa zehn Forschenden besteht und in absehbarer Zeit auf zwanzig aufgestockt werden soll, ist direkt auf dem Campus tätig. Es legt die Forschungsziele gemeinsam mit den Partnern des NFS 'MICS' fest. Wir werfen für die Industrie entscheidende technologische Fragen auf, die auf eine spätere Vermarktung abzielen. So erhöht unsere Präsenz die Wahrscheinlichkeit, dass die Forschung konkrete Produkte zur Folge hat." Für Martin Vetterli ist dieser Pragmatismus entscheidend, "denn manchmal brüten die Forschenden an den Universitäten über Probleme, die für die Industrie längst nicht mehr aktuell sind."
Die Partnerschaft stellt keinen Mundraub der im Rahmen des NFS "MICS" durchgeführten Arbeiten durch Nokia dar. Martin Vetterli spricht von einer "osmotischen Arbeitsbeziehung". Der Partnerschaftsvertrag sieht vor, dass das Unternehmen, das die Teamprojekte voll finanziert, ein Vorrecht auf das geistige Eigentum an den entwickelten Anwendungen hat. Gleichzeitig bietet die Zusammenarbeit den Forschenden Chancen. "Es ist für die jungen Forschenden ein starker Anreiz, mit einem möglichen beruflichen Umfeld in Kontakt zu kommen und an den jüngsten von Nokia entwickelten Innovationen und der entsprechenden Software zu arbeiten." Im Übrigen bietet die Partnerschaft mit Nokia den Lausanner Forschenden die Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer Arbeit weltweit in Anwendungen wieder zu finden – in den 450 Millionen Geräten, die Nokia jedes Jahr herstellt. "Im Hinblick auf die Relevanz und Sichtbarkeit ist dies beachtlich", freut sich Karl Aberer.