Am Puls des globalen Klimas
Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) sorgen international für Aufsehen. Resultate aus dem NFS "Klima – Variabilität, Vorhersagbarkeit und Risiken des Klimas" zum Beispiel machten Schlagzeilen in der "New York Times" und füllten Vortragssäle in China.
"The Economist" und "BBC News" haben ihn interviewt, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, die amerikanische "New York Time" ebenfalls, der englische "New Scientist" und "Science et vie" aus Frankreich sowieso. Die Arbeiten des ETH-Forschers Martin Wild haben seit Jahren eine grosse Resonanz in renommierten Medien gefunden. "Das Echo ist international eher grösser als hier in der Schweiz", sagt Martin Wild, der eben von einer Vortragsreise aus China zurückgekehrt ist. Seit der Leiter eines Projektes im NFS "Klima" in 2005 einen Artikel in der Zeitschrift "Science" veröffentlicht hat, ist er auch ein heissbegehrter Redner. "Vor drei Wochen war ich in Deutschland, dann in China. Demnächst ist ein Kongress in Wien und später einer in Kanada", resümiert Martin Wild. Zusammen mit seinen Kollegen konnte er zeigen, dass die Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche in den letzten Jahrzehnten stark schwankte und seit den 1980er Jahren wieder stärker geworden ist. Man nennt dies "Global brightening". Zuvor fand ein "Global dimming" statt, mit dem eine Abschwächung der Sonneneinstrahlung gemeint ist. Grund für diese Umkehr ist der Rückgang der Luftverschmutzung.
Das Medienecho auf den "Science"-Artikel ist nicht verwunderlich, arbeitet der Klimatologe doch auf einem Gebiet, das ohne Zweifel das Interesse der Menschen weckt: der drohende Klimawandel! Martin Wild und sein Forschungsteam im NFS "Klima" arbeiten am Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich mit Klimamodellen, die Aussagen über künftige Entwicklungen erlauben. Daneben verwenden die Klimatologen Beobachtungsdaten. Im Zentrum von Martin Wilds Betrachtungen steht der Strahlungshaushalt der Erde - "das eigentliche Herz des Klimas", wie er betont. Denn der Strahlungshaushalt bestimmt primär die saisonalen und räumlichen Unterschiede im Klima, treibt den Wasserkreislauf und die Windsysteme an und hat auch entscheidenden Einfluss auf die Vegetation und damit auf den Kohlenstoffkreislauf. Die Auswirkungen der zunehmenden Treibhausgase zeigen sich zuallererst in einem veränderten Strahlungshaushalt. Kein Wunder, dass die Modelle ein Drittel der Rechenzeit auf die Berechnung der Strahlungsflüsse verwenden, wenn sie zukünftige klimatische Entwicklungen simulieren.
Nicht nur die finanzielle Unterstützung durch den "NFS Klima" ist für Martin Wilds Arbeit wichtig. Der Forschungsschwerpunkt beflügelt auch die Kontakte mit anderen Forschenden, sei dies auf nationaler oder internationaler Ebene. "Mein Forschungsgebiet ist sehr interdisziplinär, denn die Sonnenstrahlung ist ein physikalisches Phänomen mit ungeheuer breiten Auswirkungen". Sie beeinflusst den Wasserkreislauf der Erde, das Verhalten der Pflanzen, die Gletscher und vieles mehr. An einem grossen botanischen Kongress in Deutschland zeigte sich, dass die Phänologen, die zum Beispiel den Zeitpunkt der Blüte bei Pflanzen untersuchen, sich sehr für die Forschungsarbeiten von Martin Wild interessierten. Zusammen mit anderen Forschenden hat Martin Wild im Frühjahr 2009 einen Artikel im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht, in dem sie den Zusammenhang zwischen der veränderten Sonneneinstrahlung und der Kohlendioxid-Aufnahme der globalen Biosphäre aufzeigen.
Dank seinen Erfolgen wurde Martin Wild auch als Herausgeber einer Spezialausgabe des angesehenen "Journal of Geophysical Research" zum Thema "Global dimming/Global brightening" beauftragt. Und am nächsten Jahrestreffen der Europäischen Vereinigung der Geophysiker (EGU), an dem über 10'000 Wissenschafter teilnehmen werden, organisiert er das Treffen zu seinem Spezialgebiet. "Das ist eine Ehre und eine Verpflichtung zugleich", sagt Martin Wild, dem viel an Fortschritten in seinem Forschungsgebiet liegt. "Die Medien vergessen manchmal, dass nicht nur die weitherum bekannten Zeitschriften "Nature" und "Science" relevant sind. In Forscherkreisen sind andere Publikationen wie das "Journal of Geophysical Research" oft genauso wichtig."
Wilds zahlreiche Veröffentlichungen sind schon über 1’500-mal von anderen Forschenden zitiert worden. Auch als Co-Autor des wichtigen 3. und 4. Berichts des Weltklimarats IPCC geniesst er hohes Ansehen.
Welche Energie treibt ihn denn ganz persönlich an? "Mein Forschungsgebiet fasziniert mich, weil es um unseren Planeten geht und weil ich verstehen will, was mit ihm passiert und welche Auswirkungen unsere Handlungen haben. Und schliesslich geht es um etwas, was wir täglich direkt spüren, etwa wenn die Sonne auf unsere Haut scheint."