Kometenhafte Karriere im Nanobereich
Die Nationalen Forschungsschwerpunkte betreiben gezielte Nachwuchsförderung. Ein Nachwuchswissenschaftler aus dem NFS Nanowissenschaften beispielsweise erklimmt die Stufen der akademischen Karriereleiter im Rekordtempo.
«Forschung ist meine Leidenschaft», sagt der Nanobiologe Roderick Lim vom Biozentrum Basel. Lim ist erst 35 Jahre alt und wurde 2009 bereits zum Professor für Nanobiologie ernannt. Einen wichtigen Anteil an seiner Karriere hat auch die weitsichtige Unterstützung durch den Nationalen Forschungsschwerpunkt Nanowissenschaften, der seine Forschungen bisher tatkräftig unterstützt hat. «Der NFS ist eine hochwichtige Plattform für unseren Bereich», erklärt Roderick Lim. «Das Gute bei den NFS ist, dass nicht nur etablierte Projekte und Disziplinen, sondern auch neu aufkommende Forschungsbereiche finanziert werden.» Die Nanowissenschaften fallen zweifellos in die letzte Kategorie. «Diesem Forschungsgebiet gehört die Zukunft», sagt Roderick Lim, der von sich selber sagt, dass er praktisch Tag und Nacht über seine Forschungsprojekte nachdenkt. Im Jahre 2004 ist er als Nachwuchswissenschaftler ans Biozentrum in die Gruppe des Biophysikers Ueli Aebi gekommen. Als Postdoktorierender leitete er am Maurice E. Müller-Institut für Strukturbiologie eine Forschergruppe im NFS Nanowissenschaften. Dabei gelangen ihm bahnbrechende Ergebnisse. Auf Anfang 2009 wurde er nun von der Universität Basel zum ersten Professor für Nanobiologie ernannt. Diese Disziplin wird gemeinsam vom Kanton Aargau, dem Biozentrum und dem aus dem NFS Nanowissenschaften hervorgegangenen Schweizerischen Nanoinstitut finanziert.
Lim wurde 1974 in Singapur geboren. Er studierte angewandte Physik an der «University of North Carolina» in Chapel Hill (USA). Danach war er am «Institute of Materials Research and Engineering» der «National University of Singapore» in der Materialforschung tätig, wo er 2003 sein Doktorat machte.
Heute forscht Roderick Lims Gruppe schwerpunktmässig an biologischen Fragen, die er mit Hilfe der Nanowissenschaften lösen will. «Die konventionelle Biologie geht nach einem <Top-Down>-Ansatz vor, sie geht vom Grossen ins Detail», sagt Lim. «In der Nanobiologie verfolgen wir einen <Bottom-up>-Ansatz: Wir schauen zuerst, wie sich die einzelnen Moleküle verhalten und sich untereinander beeinflussen und versuchen dadurch, eine Antwort auf schwierige biologische Fragen zu erhalten.»
Roderick Lim untersuchte bisher in Basel vor allem die so genannten Kernporenkomplexe der Zelle, der Grundeinheit fast aller biologischen Lebensformen. Diese Komplexe sind so etwas wie die Schleusen in der Membran zum Zellkern, in dem die Zelle ihr Erbgut speichert. Sie bestehen aus etwa dreissig verschiedenen Eiweissen, die symmetrisch um eine zentrale Pore mit einem Durchmesser von rund 50 Nanometern angeordnet sind. Sie transportieren gezielt die wichtigen Stoffe in den Zellkern oder von dort wieder hinaus. Doch bisher war nicht bekannt, wie das funktioniert und wieso gewisse Stoffe mitgenommen werden und andere nicht.
Roderick Lim und seine Mitarbeiter konnten 2007 in einer vielbeachteten Arbeit im amerikanischen Wissenschaftsmagazin «Science» zeigen, wie grössere Moleküle aktiv durch diese Kernporenkomplexe transportiert werden. «Dies war meine bisher wichtigste Publikation», sagt Roderick Lim. «Nicht nur, weil ich mit dieser Arbeit wichtige Fragen beantworten konnte, sondern auch weil sie in einer Teamarbeit entstanden ist, wie ich sie mir nicht hätte besser wünschen können.» Tatsächlich sind diese Ergebnisse nur dank dem interdisziplinären Ansatz möglich, der das Labor von Roderick Lim auszeichnet: Biochemiker, Molekularbiologen, Nanotechnologen, Physiker und Materialwissenschaftler bringen ihre spezifischen Kenntnisse und Methoden ein, um ungelöste Fragen der Biologie zu beantworten.
Das Team um Roderick Lim kombiniert für seine Forschungen hochauflösende bildgebende Verfahren mit potenten Mikroskopen der jüngsten Generation, zum Beispiel das Rasterkraftmikroskop, mit dessen Hilfe Vorgänge in der Grössenordnung von Atomen beobachtet und verfolgt werden können. Im Reagenzglas bauen die Forscher die Nanomoleküle nach und untersuchen die Wechselwirkungen. «Wir können die Moleküle tatsächlich sehen und ihren faszinierenden Tanz bewundern», sagt Roderick Lim, der gerne eine bildhafte und möglichst konkrete Sprache benutzt, wenn er seine Forschung beschreibt.
In Basel fühlte sich der Südostasiate Roderick Lim von Beginn an wohl. «Es ist eine Freude, in einer Stadt mit einer derart reichhaltigen und intellektuellen Wissenschaftsgeschichte arbeiten zu dürfen», schwärmt Lim. «Alle, die hier forschten – von den Bernoullis über Carl Gustav Jung bis Albert Hofmann – waren leidenschaftliche Forscher von Weltformat, und das imponiert mir sehr.»