Geräte-Sharing für Forschende
Die Zukunft der Forschung liegt im gemeinsamen Zugang zu den Ressourcen. Deshalb hat der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) "Genetics – Grenzen in der Genetik: Gene, Chromosomen und Entwicklung" die "Genomics-Plattform" an der Universität Genf eingerichtet. Durch die Konzentration der Mittel konnte Spitzentechnologie erworben werden, die heute allen Genforschern in der Westschweiz zur Verfügung steht.
Die Zukunft der Forschung liegt im gemeinschaftlichen Zugang zu den Ressourcen. Internationale Projekte der "Big Science" wie CERN, Hubble oder Iter sind schon heute Teil der internationalen Forschungslandschaft. Auch die "Life Sciences" wie die Genetik sind dabei, ihre Mittel zu konzentrieren.
Deshalb hat der NFS «Genetics » an der Universität Genf die Plattform "Genomics" eingerichtet. Sie bietet Forschenden des öffentlichen und privaten Sektors einzigartige Möglichkeiten. Wegen ihres Erfolgs wird sie nicht aufgelöst, wenn der NFS "Genetics" im Jahr 2011 ausläuft. An der Universität Genf wird sie der Gemeinschaft der französischen Schweiz weiterhin ihre Dienste anbieten.
Die Forschenden haben hier Zugang zu einem Dutzend hoch spezialisierter Geräte im Wert von mehr als einer Million Franken, die zwei sich gegenseitig ergänzende Techniken zur Untersuchung von Genen anbieten. Mit dem "DNA-Microarray" können die Wissenschaftler unter Tausenden verschiedener Gene diejenigen erkennen, die für sie relevant sind. Für die genauere Analyse verwenden sie anschliessend die "PCR-Methode". "Mit dem NFS kann vermieden werden, dass jedes Institut seine eigene Maschine hat und sie nur sporadisch benutzt", erklärt Patrick Descombes, Leiter der Plattform. "Mit acht Mitarbeitenden können wir eine optimale Arbeit leisten, uns über die neuesten Technologien auf dem Laufenden halten und das Material pflegen, was kleinen Gruppen oft nicht möglich ist."
Die Analysetechniken stehen im Zentrum eines Projekts zu Hepatitis C, das von Patrick Descombes in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken Lausanne (CHUV) und der Universität Lausanne durchgeführt wird und 2008 mit dem Leenaards-Preis ausgezeichnet wurde. "Einige Menschen verfügen über eine natürliche Immunität gegenüber der Hepatitis C. Um zu verstehen, welche Gene dafür verantwortlich sind, untersuchen wir Proben von tausend Menschen."
Da es sich jedesmal um Tausende von Genen handelt, hat der Aufbau des Datenbestandes fast acht Monate gedauert. Die statistische Analyse läuft noch immer. Das Team führte auch eine Studie für CHAVI durch, eines der wichtigsten internationalen Forschungsprojekte zu Aids. Dabei wurde das Genom von Menschen untersucht, bei denen die Krankheit äusserst langsam fortschreitet. Wenn die Gene einmal identifiziert sind, können die Wissenschaftler die entsprechenden Proteine erforschen. Sie hoffen, ein Molekül zu finden, das den angeborenen Schutz reproduziert.
Heute arbeiten die Geräte ohne Unterbrechung. "Dank der Automatisierung bleiben die Geräte auch nachts in Betrieb. Die optimierte Infrastrukturnutzung gewährleistet regelmässige Forschungserträge, mit denen die ideale Wartung der Geräte finanziert wird."
Damit bietet der NFS "Genetics" in Genf anderen Forschenden ein unschätzbares Reservoir an technischem Wissen und stellt so den Wissenstransfer sicher – eine zentrale Aufgabe der Nationalen Forschungsschwerpunkte. Es bringt nichts, die modernsten Instrumente anzuschaffen, wenn deren Benutzer nicht damit umgehen können. Die Spezialisten in Genf betreuen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Infrastruktur nutzen.
Sie bieten einen Beratungsservice an, der vom Versuchsdesign über die Qualitätskontrolle der Proben und Messungen bis hin zur Überprüfung der Ergebnisse reicht. "Die statistische Analyse ist komplex. Ein unerfahrener Forschender benötigt Wochen, ja sogar Monate, wenn er sich zuerst einarbeiten muss. Wir haben die notwendige Erfahrung, um das in wenigen Tagen zu bewerkstelligen." Das Team von Patrick Descombes arbeitet mit dem Schweizer Institut für Bioinformatik in Genf zusammen, das auf die elektronische Verarbeitung von genetischen Daten spezialisiert ist. Es sorgt auch dafür, dass die durchgeführten Messungen in internationale wissenschaftliche Datenbanken eingespeist werden.
Patrick Descombes spricht von seiner Plattform wie von einem Unternehmen. Er engagiert sich nach Kräften dafür, dass er zahlreiche Kunden hat, die zufrieden sind und wiederkommen. Seine Plattform ist reaktionsfähig und unabhängig – so kann sie rasch Entscheidungen treffen. Die erworbene Erfahrung ermöglicht es darüber hinaus, wertvolle Partnerschaften mit der Industrie einzugehen. Die Plattform profitiert von vorteilhaften Bedingungen. Gerade hat sie während einiger Monate ein neues System getestet, das nur eine einzige weitere europäische Universität besitzt.
Durch die Bündelung der Kräfte hat der NFS "Genetics" eine einzigartige Technologie erworben, die einer grossen Anzahl Forschender zur Verfügung steht. Aber Patrick Descombes zufolge wäre es keine gute Idee, eine einzige Struktur für die gesamte Schweiz zu schaffen. "Man muss die Leute treffen können, mit ihnen reden und sie fortbilden können. Selbst für eine zunehmend auf Technologien basierende Wissenschaft bleibt die räumliche Nähe wesentlich."