NFS Molekulare Onkologie 

Die Entstehung von Brustkrebs besser verstehen

Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) arbeiten über die Fachgebiete hinweg. In einem Projekt des NFS "Molekulare Onkologie – Von der Grundlagenforschung bis zur therapeutischen Anwendung" zum Beispiel untersuchen eine Biologin der ETH Lausanne und eine Pathologin des Unispitals Lausanne, wie Brustzellen vom Krebs befallen werden.

"Eine Zusammenarbeit war nicht von vornherein offensichtlich", sagt Cathrin Brisken. "Schliesslich kommen wir aus ganz unterschiedlichen Welten", ergänzt Maryse Fiche. Cathrin Brisken ist Assistenzprofessorin am Schweizerischen Institut für experimentelle Krebsforschung (ISREC) der ETH Lausanne, Maryse Fiche arbeitet als Ärztin am Institut für Pathologie des Universitätsspitals Lausanne (CHUV). Obwohl sie beide einen unterschiedlichen Hintergrund haben – Grundlagenforschung und klinischen Praxis –, arbeiten die beiden Frauen seit 2004 im Rahmen des NFS "Molekulare Onkologie" zusammen. Im Zentrum ihrer Arbeit steht ein Problem, das wissenschaftlich komplex und zugleich von großer Bedeutung für die Volksgesundheit ist: der Brustkrebs. Er ist in den westlichen Industrieländern bei Frauen die häufigste Krebsart. Ungefähr jede neunte Frau erkrankt daran. In der Schweiz werden jedes Jahr 5‘000 neue Fälle diagnostiziert.

Forschende und Ärzte wissen noch wenig über die Mechanismen, die zur Entstehung von so genannten Mammatumoren führen. Eines allerdings steht fest: Vor hundert Jahren traten diese Tumoren seltener auf. Damals hatten die Frauen ihre erste Menstruation mit 16 und ihr erstes Kind mit 18 Jahren. "Epidemiologische Studien haben belegt, dass das Brustkrebsrisiko einer Frau steigt, je mehr Menstruationszyklen sie bis zur ersten Schwangerschaft durchläuft", erklärt Cathrin Brisken. Verantwortlich dafür sind die weiblichen Sexualhormone: Östrogen, Progesteron und Prolaktin. Nach jedem Eisprung lösen sie in den Brustdrüsen eine Zellteilung aus. Nun kann es aber bei jeder Teilung zu Fehlern kommen, die ein unkontrolliertes Zellwachstum und somit die Entstehung von bösartigen Tumoren zur Folge haben können.

Die Biologin begann daher zu erforschen, wie die Hormone die Physiologie der Brust beeinflussen und welche Rolle sie bei der Entstehung von Krebs spielen. Die Brustdrüse ist ein komplexes Gebilde, und die "Mikroumgebung, in der sich die Zellen befinden, spielt bei der Entstehung von Krebs eine bedeutende Rolle", betont die Forscherin. Um die beteiligten Mechanismen zu verstehen, arbeitet sie mit genetisch veränderten Mäusen. Sie verwendet aber auch gesunde menschliche Zellen, die bei Schönheitsoperationen gewonnen wurden, sowie Krebszellen, die aus den Operationssälen der Abteilung für Onkologie des CHUV stammen. "Ohne die Unterstützung von Maryse Fiche kämen wir nicht an diese Zellen", betont Cathrin Brisken.

Durch die Forschung an diesem Brustgewebe "können wir belegen, dass die Hormone direkt und indirekt auf die Brustzellen einwirken", erklärt Cathrin Brisken. "Ohne Hormone passiert nichts in der Brustdrüse. Sind jedoch Östrogen und Progesteron vorhanden, reagieren die Zellen und schütten eine Reihe Substanzen aus, die Einfluss auf die benachbarten Zellen ausüben." "Wenn wir verstehen, was sich da auf Molekularebene in den verschiedenen Tumorgruppen und -untergruppen abspielt, können wir den Patientinnen gezieltere Behandlungen anbieten", erläutert Maryse Fiche. Genau darin besteht das Ziel dieser Grundlagenforschung: Jeder Frau mit Brustkrebs eine massgeschneiderte Therapie anbieten zu können.

Die Zusammenarbeit von Teams mit unterschiedlichem Hintergründen ist für den Erfolg von solchen Projekten besonders wichtig, da es sich bei der Brustkrebsforschung um ein fachübergreifendes Forschungsfeld handelt. "Wir haben uns zusammengeschlossen, damit die Leute, die in der Grundlagenforschung arbeiten, engeren Kontakt zu den Klinikern bekommen", betont Maryse Fiche. "Vor fünfzehn Jahren bin ich aus der Medizin ausgestiegen", fügt Cathrin Brisken hinzu. "Zudem kommt Maryse Fiche regelmässig an die ETH Lausanne und unterrichtet die Studenten des Teams, die zwar einen molekularbiologischen Hintergrund haben, aber nicht viel über Brustkrebs wissen."

Auch die Pathologie kommt dabei zu ihrem Recht. "Die molekulare Klassifizierung der häufig auftretenden Brusttumoren ersetzt zunehmend die traditionelle, morphologische Klassifikation. Die an den Mäusen durchgeführten Studien tragen zum Verstehen der Erkrankung bei", erläutert Maryse Fiche. Die Biologin und die Pathologin sind mit ihrer Zusammenarbeit im NFS sehr zufrieden. Sie möchten – in einem anderen Rahmen – auch Krebsspezialisten in ihre Arbeit einbeziehen, um die Forschung im Bereich der Hormonmodulation von Brustkrebs weiter auszubauen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat Zukunft.

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