Interaktive Verwaltung von Informationen
Die Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS) setzen Impulse. Die Ansiedlung des NFS "IM2 – Interaktives multimodales Informationsmanagement" im Wallis ist eine Erfolgsgeschichte – sowohl in wissenschaftlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Region profitiert auf verschiedenen Ebenen vom NFS.
Unter den 14 Nationalen Forschungsschwerpunkten, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) 2001 vergeben hat, ist nur der des Forschungsinstituts Idiap in Martigny nicht an einer Hochschule angesiedelt. Für das 1991 gegründete Walliser Forschungsinstitut war der Schwerpunkt quasi ein Geschenk, da es damals sein zehnjähriges Bestehen sowie zehn Jahre Forschung zur Interaktion Mensch-Maschine feierte.
Mit der Einrichtung des NFS "IM2" erhielt das Forschungsinstitut Idiap die Gelegenheit, sein Forschungspotenzial im Bereich der Interaktion zwischen Mensch und Maschine umzusetzen. Ursprünglich beruhten die Projekte auf zwei Säulen, der Wort- und der Bildverarbeitung. Heute gehen sie in Richtung Multimedia. Um den Projekten des NFS "IM2" eine gemeinsame Stossrichtung zu geben, konzentrierten sich die meisten von ihnen auf die Entwicklung einer einzigartigen Installation: den intelligenten Sitzungsraum. Er sieht ganz gewöhnlich aus, ist aber bestens mit Spitzentechnologie ausgerüstet. Verschiedene Audio-Video-Systeme und Software ermöglichen die Aufnahme, Indexierung und Archivierung all dessen, was gesagt und getan wird. So kann man später ein Treffen im Detail nachvollziehen und gezielt nach Informationen suchen.
Diese Art von Dienstleistungen bietet Klewel, eines der etwa zehn Spin-off-Unternehmen, die das Forschungsinstitut Idiap im Rahmen des NFS "IM2" hervorgebracht hat. Diese Unternehmen sind in den Bereichen Informationsaustausch und -management, Biometrie sowie der Sicherung von Dokumenten in Papier- und elektronischer Form tätig. Mit ihrer Hilfe soll die Position des Wallis als Standort für technologische Forschung und Innovation ausgebaut werden. Zu diesem Zweck profitiert das Institut seit 2005 von einer "IdeArk" genannten Organisation, die in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Martigny gegründet wurde. Ihre Aufgabe besteht darin, Start-up-Unternehmen während ihrer Gründungsphase zu fördern, in ihrer Entwicklung zu begleiten und den Technologietransfer hin zu Industriepartnern wie Swisscom, Logitech, Fastnet oder Nokia zu fördern. Bald soll in der Nähe des Forschungsinstituts Idiap ein Technologiepark entstehen, wo sich neue Unternehmen ansiedeln können. Das Institut ist zudem Teil von "The Ark", einem 2004 vom Kanton Wallis für den Bereich Informationswissenschaften, "Life Sciences" und Ingenieurwissenschaften geschaffenen Wirtschaftsförderinstrument.
Sowohl in wissenschaftlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat der NFS "IM2" beträchtliche Auswirkungen. Jean-Albert Ferrez, der stellvertretende Direktor des Forschungsinstituts Idiap, stellt fest, dass es "einen deutlichen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach der Errichtung des NFS 'IM2' gibt". So konnte sich das Institut dank der Unterstützung des NFS um das Vierfache vergrössern. Das Budget ist von zwei auf ungefähr zehn Millionen Franken angewachsen, wovon circa 1,4 Millionen vom Forschungsschwerpunkt eingebracht werden. Deshalb konnten die Forschenden des Idiap zahlreiche Projekte und Aufträge an sich binden. Die Zahl der Mitarbeitenden ist von ungefähr zwanzig auf etwa hundert gestiegen, was das Ansehen des Instituts gefestigt hat. Über die etwa fünfzehn auf europäischer und internationaler Ebene durchgeführten Projekte hinaus konnte das Idiap dank des NFS "IM2" seine Zusammenarbeit mit mehreren Schweizer Hochschulen, darunter der ETH Lausanne, ausbauen. Dies entspricht einem weiteren Ziel des NFS – die Strukturierung der Schweizer Forschungslandschaft zu verbessern.
Für das Wallis wirkt sich der NFS "IM2" äusserst vorteilhaft aus. Über die Aufwertung technologischer Projekte mit dem Ziel ihrer industriellen und gewerblichen Nutzung hinaus wurde das positive Image des Kantons über die Grenzen hinweg ausgebaut. "Die Tatsache, dass der Bund einen NFS an eine Randregion vergeben hat, ist für das volkswirtschaftliche Gleichgewicht bedeutend", betont François Seppey, Präsident von "The Ark". "Dies entspricht einer Wirtschafts- und Regionalpolitik, deren Ziel es ist, dass auch die Regionen in der Peripherie von den Impulsen profitieren, die von den Zentren ausgehen." Dabei hat der NFS "IM2" eine Dynamik ausgelöst, die nicht nur die Ziele des Schweizerischen Nationalfonds im Hinblick auf die Stärkung wissenschaftlicher Strukturen, sondern auch die der kantonalen Wirtschaftsförderung erfüllt.