Wer finanziert was?

25.07.2014

Ein Magnetresonanztomograf / Valerie Chetelat

Teilchenbeschleuniger, Observatorien oder Gendatenbanken: Der Bund will wissen, welche Infrastrukturen die Schweizer Forschung braucht. Einige fallen jedoch durch das Raster. Von Simon Koechlin

Zusammenarbeit wird gross geschrieben in der Forschung. Viele Wissenschaftler benötigen für ihre Projekte Zugang zu Geräten oder Datenbanken, die viel zu teuer sind, als dass sie sie selber anschaffen könnten. Solche Infrastrukturen werden auch in der Schweiz immer wichtiger. "Klassische Forschungsinfrastrukturen sind zum Beispiel der Teilchenbeschleuniger am Cern oder die grossen Teleskope der europäischen Südsternwarte", sagt Katharina Eggenberger vom Ressort Forschung beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Heute zähle man zunehmend auch Datenbanken und Dienstleistungszentren dazu, zum Beispiel Archive, in denen Volkszählungsdaten oder Meinungsumfragen aus ganz Europa erfasst werden.

Das Staatssekretariat erstellt momentan eine so genannte Roadmap für Forschungsinfrastrukturen. Einerseits werden bestehende Infrastrukturen inventarisiert. Andererseits nimmt der Bund geplante neue Infrastrukturen auf, die für den Forschungsstandort Schweiz von grosser Bedeutung sind. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) prüft die Qualität der neuen wie der inventarisierten Projekte. Ist die Bewertung positiv, wird die Infrastruktur in die Roadmap aufgenommen, und die Beteiligten entscheiden, aus welcher Kasse – zum Beispiel SNF, Akademien der Wissenschaften, Hochschulen – eine Finanzierung erfolgen würde. Die definitiven Finanzentscheide werden allerdings erst im Rahmen der Botschaft über die Finanzierung von Bildung, Forschung und Innovation für die Jahre 2017 bis 2020 gefällt.

Die universitären Hochschulen hegen der Roadmap gegenüber gemischte Gefühle. "Es ist sicher gut, einen Überblick zu bekommen", sagt Raymond Werlen, der Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten. «Allerdings müssen wir uns schon jetzt klar werden, welche Infrastrukturen ab 2017 für uns wichtig sind – bevor überhaupt über die Ziele der nächsten Finanzperiode diskutiert wird.» Zudem sei das Instrument schwierig zu verstehen; welche Typen von Infrastrukturen in die Planung gehörten, sei nicht ganz klar.

Und die Editionen?

Dem pflichtet Markus Zürcher bei, der Generalsekretär der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Er bemängelt, dass bestimmte Editionen nicht als Forschungsinfrastrukturen gelten sollten. Heute würden solche wissenschaftlichen Werkausgaben aber fast immer digital verfügbar gemacht und dienten dann als Basis für neue Forschungsprojekte. "Man merkt dem Entwurf an, dass man sich immer noch schwertut anzuerkennen, dass Geisteswissenschaftler heute mit solchen Datenbanken arbeiten", sagt Zürcher. Aus diesem Grund habe der SNF einen Call für geisteswissenschaftliche Editionsprojekte lanciert, sagt Ingrid Kissling-Näf von der Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften des Schweizerischen Nationalfonds.

Eggenberger kann die Vorbehalte verstehen. Die Roadmap sei sicher noch nicht ausgereift, räumt sie ein. Allerdings gehe es ausdrücklich darum, auch geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte als Infrastrukturen anzuerkennen. Der wichtigste Grund für den Aufbau des Instruments sei aber, dass damit die Koordination der Finanzierung verbessert werde. In einigen Bereichen bestehe Sparpotenzial. Für die medizinische Bildgebung etwa würden oft teure Apparaturen wie Tomografen angeschafft, ohne dass sich die verschiedenen Institute absprächen. "Mit der Roadmap gewinnen wir einen besseren Überblick darüber, was für den Forschungsplatz wichtig ist und wer was finanziert", sagt Eggenberger.

(Aus "Horizonte" Nr. 101, Juni 2014)

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