Nationaler Latsis-Preis 2016 an Historiker Alexander Keese verliehen

17.01.2017

Alexander Keese, Experte für afrikanische Geschichte, hat im Berner Rathaus den mit 100'000 Franken dotierten Nationalen Latsis-Preis erhalten.

​Der 39-jährige wurde für seine Forschung zum Kolonialismus und Postkolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts in West- und Zentralafrika ausgezeichnet. Alexander Keese ist seit 2015 Förderprofessor des SNF am Departement für Zeitgeschichte der Universität Genf. Der SNF verleiht den Preis jährlich im Auftrag der Genfer Fondation Latsis Internationale.


© SNF/Daniel Rihs 

Der neue SNF-Forschungsratspräsident Matthias Egger begrüsste die rund 80 Gäste an der feierlichen Preisübergabe im Berner Rathaus am 12. Januar 2017. Neben zahlreichen Gästen aus dem Bereich Bildung, Forschung und Innovation war auch alt Bundesrätin Ruth Dreifuss answesend.

Prof. Helga Nowotny, emer. Professorin der ETH Zürich und ehemalige Präsidentin des ERC betonte als Gastreferentin die Wichtigkeit der Geisteswissenschaften um gesellschaftliche Herausforderungen und Veränderungen zu erkennen sowie problematischen Entwicklungen entgegen zu wirken. Dies um so mehr in einer Zeit, in der es nicht mehr länger selbstverständlich sei, dass die "Menschen der Wissenschaft, Fakten und Erkenntnissen" vertrauen.

In der Laudatio zur beruflichen Karriere des Preisträgers hob Prof. Corina Caduff, SNF-Forschungsrätin der Abteilung "Geistes- und Sozialwissenschaften" hervor, dass Keese in seiner Forschung die eurozentristische Perspektive verlässt und einen afrikanischen Standpunkt einnimmt. Der Präsident des SNF-Forschungsrats, Prof. Matthias Egger überreichte Alexander Keese den Nationalen Latsis-Preis. Egger hatte zuvor am Beispiel von HIV/Aids veranschaulicht, wie die Erkenntnisse der Kolonialismusforschung auch für sein eigenes Gebiet, die Epidemiologie, grundlegend sind: "Der Kolonialismus war der unwissentliche Komplize der Ausbreitung von HIV." Das Virus gelangte im ausgehenden 19. Jahrhundert aus dem Urwald in Kamerun über die "archetypische Kolonialstadt" Kinshasa nach Port au Prince und von dort nach Amerika. Zum Schluss erläuterte Alexander Keese wichtige Erkenntnisse aus seiner Forschungsarbeit zur Rolle der Ethnizität, den afrikanischen Eliten und der Zwangsarbeit. Er kommt zum Schluss, dass Ethnie als Identifikationspunkt eher eine Reaktion auf die Kategorisierung durch die Kolonialherren sei, als eine eigene Quelle der Identifikation. Und die traumatische Erfahrung der Zwangsarbeit wirke bis heute nach, zum Beispiel in der Skepsis der Leute gegenüber grossen Entwicklungsprojekten.

 

Der Nationale Latsis-Preis ist eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Schweiz und honoriert herausragende wissenschaftliche Leistungen einer in der Schweiz tätigen Forscherin oder eines Forschers im Alter von maximal 40 Jahren.

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