Dicke Luft

Wie viel Feinstaub jeder von uns einatmet, ermitteln Epidemiologen mit immer genaueren Messungen. Das hilft dabei, das Gesundheitsrisiko durch diese Partikel besser abzuschätzen. Von Angelika Jacobs

(Aus "Horizonte" Nr. 105, Juni 2015) Hunderte von wissenschaftlichen Publikationen beschreiben die Gesundheitseffekte von Feinstaub und chemischen Verbindungen, die meist bei Verbrennungsprozessen entstehen. Dass Luftverschmutzung Atemwegserkrankungen begünstigt, scheint heute offensichtlich. Tatsächlich sind solche Effekte aber schwierig nachzuweisen.

Ein grosser Kritikpunkt an epidemiologischen Studien zur Luftverschmutzung ist, dass sie sich auf Daten weniger zentraler Messstationen stützen, die nicht unbedingt der tatsächlichen Belastung der Studienteilnehmer entsprechen. Schadstoffkonzentrationen können je nach Standort stark variieren.

Individuelle Belastung

Besonders im Fokus der Epidemiologen stehen seit einiger Zeit sogenannte ultrafeine Partikel (UFP). Durch ihre geringe Grösse – kleiner als 100 Nanometer – können sie in die Blutbahn und möglicherweise sogar ins Gehirn vordringen. Die Gesundheitseffekte dieses Feinstaubs sind jedoch noch wenig untersucht. UFP verteilen sich in der Luft sehr ungleichmässig. Es ist darum unklar, wie brauchbar zentral gemessene Werte für epidemiologische Studien sind.

Dieser Frage gingen Nino Künzli und Reto Meier vom Schweizerischen Tropen und Public Health Institut in Basel nach. Sie verglichen UFP-Messungen an zentralen Referenzstationen mit 80 umliegenden Wohnstandorten. Die Untersuchung ist Teil der Swiss Cohort Study on Air Pollution and Lung and Heart Diseases in Adults unter der Leitung von Professorin Nicole Probst-Hensch. "Die Kontraste können einen Faktor zwei und mehr erreichen", sagt Meier. Die UFP-Konzentration hänge von der Distanz zur Emissionsquelle ab – hauptsächlich vom Strassenverkehr. Man müsse bei der Standortwahl für repräsentative Messungen daher auf Strassennähe und Windrichtung achten.

Drinnen anders als draussen