Quoten für mehr Gleichstellung in der Forschung

Der Schweizerische Nationalfonds räumt der Gleichstellung einen hohen Stellenwert ein. Um frauenspezifischen Anliegen in der Forschung mehr Gewicht zu verleihen, führt er in seinen Evaluationsgremien per sofort eine Geschlechterquote ein.

Auch heute, 50 Jahre nach der politischen Gleichstellung von Mann und Frau durch die Einführung des Frauenstimmrechts, sind Frauen hierzulande in wissenschaftlichen Leitungspositionen stark untervertreten: Nur rund 23 Prozent der Lehrstühle an Schweizer Universitäten werden von Professorinnen besetzt. Dabei liegt der Frauenanteil auf Stufe Doktorat noch bei beinahe 45 Prozent, bei der Gesamtheit der Studierenden machen die Frauen sogar eine knappe Mehrheit aus.

Das Ungleichgewicht in Leitungspositionen hat Folgen für die Gesellschaft: Perspektiven, Bedürfnisse und Erfahrungshintergründe von Frauen erhalten weniger Gewicht und finden dadurch weniger Eingang in die Wissensproduktion. Forschungspolitische Entscheide sind zu einseitig abgestützt.

Ehrgeizige Ziele

Um dem entgegen zu wirken, hat sich das Präsidium des SNF-Forschungsrats für die Einführung einer Frauenquote in seinen Evaluationsgremien entschieden. "Nicht in all unseren Gremien sind Frauen derzeit genügend vertreten", begründet Matthias Egger den Entscheid, welchen das Forschungsratspräsidium im vergangenen Dezember gefällt hat und der per sofort umgesetzt wird. In Zukunft dürfe es nicht mehr passieren, dass nur eine kleine Minderheit von Frauen an der Diskussion und Entscheidungsfindung beteiligt sei, so der Forschungsratspräsident. "Deshalb geben wir jetzt uns selber strengere Regeln."

Während im Forschungsrat und seinem Präsidium Frauen und Männer in Zukunft zu jeweils mindestens 40 Prozent vertreten sein müssen, wird für fachspezifische Gremien die Quote an das entsprechende Forschungsfeld angepasst. "Auch hier wollen wir ehrgeizig sein und mit gutem Beispiel vorangehen", sagt SNF-Gleichstellungsbeauftrage Simona Isler. So wird der Frauenanteil in Disziplinen, in welchen Frauen traditionell untervertreten sind, in Zukunft um 20 Prozentpunkte höher sein als in ihrem Durchschnitt. Ein Beispiel: Sind Frauen in einer bestimmten Disziplin mit 10 Prozent an den Professuren in der Schweiz beteiligt, strebt der SNF für ein Evaluationsgremium derselben Disziplin eine Quote von 30 Prozent an. "Bis spätestens 2026 wollen wir dieses Ziel erreicht haben", so Isler.

Impulsgeber im Bereich der Gleichstellung

Mit der Einführung von Quoten will der SNF vier für die Gleichstellung wichtige Ziele unterstützen:

  • Mehr Sichtbarkeit für Frauen in forschungspolitischen wichtigen Gremien wie dem Nationalen Forschungsrat
  • Höhere Gewichtung von frauenspezifischen Anliegen und vielfältigen Sichtweisen
  • Ausgewogenere Verteilung von Macht
  • Verbesserte Zusammenarbeit durch mehr Diversität

Darüber hinaus will der SNF mit der Quote auch für seine Partner aus Wissenschaft und Forschungsförderung als Impulsgeber im Bereich Gleichstellung wirken.

Seit 1981 ist die Gleichstellung der Geschlechter in der Schweizer Bundesverfassung verankert. Als nationaler Forschungsförderer hat der SNF deshalb einen gesetzlich verankerten Gleichstellungauftrag. Das Förderprogramm "Prima", die Netzwerkplattform Academia-Net.org oder die Vergabe des Marie Heim-Vögtlin-Preises sind Beispiele für Aktivitäten, welche der gezielten Förderung von Frauen Rechnung tragen.

Die Quote:

  • Forschungsrat (pro Abteilung): Mindestens je 40% Frauen und Männer, 20% flexibel.
  • Forschunsratspräsidium: Mindestens je 40% Frauen und Männer, 20% flexibel.
  • Weitere Evaluationsgremien: an das Feld angepasste Quote. Jeweils 20% höhere Repräsentation als Professorinnen im Feld.