Biodiversa+: 4,2 Millionen für acht Schweizer Projekte

Der SNF fördert im Rahmen von Biodiversa+ acht Projekte mit Schweizer Beteiligung mit rund vier Millionen Franken. Sie untersuchen, wie Biodiversität gestärkt werden kann. Insgesamt werden 35 Projekte unterstützt.
Wie können Institutionen und soziale Normen Nachhaltigkeit und Artenvielfalt fördern? Raushan Bokusheva von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Peter Finke von der Universität Zürich wollen es in einem Forschungsprojekt herausfinden. Derweil untersucht Martin Gossner vom Eidgenössischen Forschungsinstitut WSL die Bedeutung von Wiederaufforstungen von Wäldern und Obstplantagen für die Biodiversität.
33 Länder beteiligt
Das sind zwei von acht Projekten mit Schweizer Beteiligung, die der SNF im Rahmen der Ausschreibung «BiodivTransform» der EU-Biodiversitätspartnerschaft Biodiversa+ unterstützt. Dafür stellt er in den nächsten drei Jahren 4,2 Millionen Franken zur Verfügung. Eingereicht wurden 106 Projekte, 20 von ihnen mit Schweizer Beteiligung. Insgesamt werden 35 Projekte gefördert.
Alle geförderten Projekte suchen nach Möglichkeiten, Transformationsprozesse zu identifizieren, analysieren und verstehen, die den Rückgang der biologischen Vielfalt aufhalten und umkehren können.
Das Ziel sind umsetzbare Lösungen zur Erhaltung der Biodiversität und der Ökosysteme sowie der damit verbundenen Vorteile für die Menschen (siehe Kasten). Weltweit wurden alle Regionen und Lebensräume berücksichtigt. 33 Länder haben sich an der Ausschreibung beteiligt.
Nachhaltige Reisfelder, faire Massnahmen
In einem weiteren Schweizer Projekt entwickelt Gurbir Bhullar von der Berner Fachhochschule ein neuartiges Produktionssystem. Damit sollen sich monokulturelle Reisfelder in multifunktionale, nachhaltige Ökosysteme verwandeln. Paula Novo und Astrid Zabel von der Universität Bern beschäftigen sich mit Massnahmen, die im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung, Biodiversität und Klimawandel ergriffen werden. Ihr Ziel ist es, diese so aufeinander abzustimmen, dass sie wirksamer und gerechter werden (weitere Forschungsprojekte siehe Kasten).
Vier unterstützte Schweizer Projekte
Grosse Raubtiere wie die Braunbären Europas sind ökologisch bedeutsam. Damit stehen sie jedoch oft in Konflikt mit menschlichen Interessen, was ihren Schutz sowohl prioritär als auch herausfordernd macht. Nicolas Salliou von der ETH Zürich untersucht drei verschiedene Braunbärenpopulationen in Europa. Dabei versucht er, die transformativen Fähigkeiten zu identifizieren und zu verbessern, die eine tragfähige Koexistenz zwischen Menschen und Bären fördern können – und zwar in unterschiedlichen biophysikalischen, sozioökonomischen und institutionellen Kontexten.
Matthias Bürgi von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL möchte die Veränderungen der ländlichen Landschaft untersuchen, die durch Photovoltaik (PV)-Freiflächenprojekte in Europa verursacht werden. Der Energiesektor wurde als wichtigster Hebel für die Eindämmung des Klimawandels identifiziert. Gleichzeitig trägt er wesentlich zum weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt bei. Das Projekt soll zu einer Politikgestaltung beitragen, die bei der Errichtung von Freiflächen-PV-Anlagen die Vielfalt der relevanten Anliegen und Aspekte berücksichtigt. Damit soll sichergestellt werden, dass die europäische Energiewende nicht auf Kosten der biologischen Vielfalt, der biokulturellen Vielfalt, der Werte lokaler Gemeinschaften, der Gerechtigkeit und des Wohlbefindens geht.
Viele Naturschutzmassnahmen werden ausserhalb der betroffenen Gebiete konzipiert und übersehen dabei oft sozioökonomische Abhängigkeiten und Verhaltensreaktionen. So mangelt es solchen Massnahmen häufig an lokaler Legitimität. Das führt zu Widerstand, geringer Akzeptanz und verminderten Naturschutzergebnissen. Daniele Silvestro von der ETH Zürich möchte das Problem der zunehmenden Konflikte zwischen Menschen und Tierwelt angehen, die durch die Erholung der Wildtierpopulationen in Subsahara-Afrika entstehen. Dazu entwickelt er Ansätze, die Naturschutzstrategien mit den Realitäten des Gemeinschaftslebens und traditionellem Wissen in Einklang bringen. So sollen die lokale Unterstützung und Legitimität für Naturschutzmassnahmen gestärkt werden.
Patrice Prunier und sein Team von der Fachhochschule Westschweiz befassen sich mit dem weltweiten Rückgang der Bestäuberpopulationen. Dazu untersuchen sie das Potenzial kreativer und widerstandsfähiger Blumenbeete der Zukunft. Diese berücksichtigen Trockenresistenz, Attraktivität für Bestäuber, soziale Wahrnehmung und nachhaltige Bewirtschaftung. So ermöglichen sie einen wirksamen Schutz der städtischen Biodiversität. Das Projekt zielt darauf ab, einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung herbeizuführen. Die zentrale Idee ist, sich von der traditionellen Ausrichtung auf die vom Menschen wahrgenommene dekorative Schönheit zu lösen. Es geht um einen funktionalen Ansatz, der die Biodiversität fördert und sich an den zukünftigen klimatischen Bedingungen orientiert.
Transnationale Forschung
Biodiversa+ ist die Europäische Partnerschaft für Biodiversität. Sie unterstützt exzellente Forschung im Bereich Biodiversität mit Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft. Sie wurde 2021 als Teil der EU-Biodiversitätsstrategie für das Jahr 2030 ins Leben gerufen. An dieser Partnerschaft beteiligen sich 81 Partner aus 40 verschiedenen Ländern.