CHIST-ERA: eine Million für eine mehrsprachige Wissenschaft

Der SNF fördert fünf Schweizer Projekte, die mit KI-Tools und anderen innovativen Ansätzen Sprachbarrieren abbauen und den Zugang zu Forschung für alle ermöglichen.
«Science in your own language»: Unter diesem Motto stand die jüngste Ausschreibung des europäischen Förderprogramms CHIST-ERA. Das Programm unterstützt innovative, multidisziplinäre Forschung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien.
Insgesamt wurden 29 Gesuche eingereicht, darunter 10 mit Beteiligung von Forschenden in der Schweiz. Ein internationales Panel hat die Gesuche anschliessend begutachtet und neun Projekte bewilligt.
Fünf vom SNF unterstützte Forschende
Der SNF unterstützt fünf in der Schweiz tätige Forschende, die sich an fünf verschiedenen Projekten beteiligen. Er stellt dafür gut eine Million Franken zur Verfügung. Die geförderten Projekte entwickeln innovative KI-gestützte Übersetzungstools und Konzepte für barrierefreie Wissenschaftskommunikation. Sie tragen dazu bei, die Prinzipien von Open Science umzusetzen und die sprachliche Vielfalt in der Forschung zu bewahren.
Die Schweizer Projekte im Überblick:
Englische Dominanz brechen: Das Projekt OSCAIL befasst sich mit der Dominanz des Englischen im akademischen Verlagswesen. Diese schränkt den Zugang für andere Sprachen ein und gefährdet die sprachliche Vielfalt. In Anlehnung an die Open-Science-Grundsätze der UNESCO sammelt Petr Motlíček von der Speech and Audio Processing Group des Idiap Research Institute sprachspezifische Daten und entwickelt fortschrittliche Tools für die maschinelle Übersetzung. So soll die wissenschaftliche Kommunikation mehrsprachig werden. Im Projekt arbeiten Expertinnen und Experten aus den Bereichen KI, Übersetzung und Verlagswesen zusammen.
Mehrsprachig mit KI-Tools: Klaus Rummler von der Pädagogischen Hochschule Zürich und Colette Schneider Stingelin von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) entwickeln KI-gestützte Tools, um wissenschaftliche Inhalte mehrsprachig und für alle zugänglich zu machen. Dazu kombinieren sie maschinelle Übersetzung, automatisierte Zusammenfassung, semantische Indizierung und Video-Storytelling. Wissenschaftliche Materialien werden so für ein breites Publikum in klare Zusammenfassungen oder interaktive Videos überführt. Das Projekt MUTASK fördert einen inklusiven, demokratischen Zugang zu Forschung über Sprachen und Formate hinweg.
Sprachbarrieren abbauen: Das Projekt CRITICS nutzt fortschrittliche KI und grosse Sprachmodelle, um wissenschaftliche Erkenntnisse in mehreren Sprachen zugänglich zu machen. Mark Cieliebak und Jan Deriu vom Zentrum für Künstliche Intelligenz der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) kombinieren dazu drei Innovationen: maschinelle Übersetzung, KI-generierte, an lokale Kontexte angepasste Unterrichtseinheiten sowie automatisierte Tools zur Bewertung des kritischen Denkens. Durch die Veröffentlichung von Open-Source-Ressourcen und die Zusammenarbeit mit Schulen und politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern möchten sie Sprachbarrieren abbauen und wissenschaftliche Kompetenz fördern.
KI für komplexe Dokumente: Giovanni Toffetti Carughi von der Distributed Systems Group (DSY) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat sich zum Ziel gesetzt, KI-gestützte Übersetzungstools für komplexe KI-Dokumente zu entwickeln. Diese sollen Text, Code und visuelle Elemente miteinander verbinden. Das LEXICAI-Projekt unterstützt wichtige, unterrepräsentierte Sprachen und baut eine offene KI-Terminologie-Datenbank auf. Durch die Überwindung sprachlicher und technischer Barrieren will das Projekt globale Zusammenarbeit, inklusive Bildung und das Verständnis für KI fördern.
Für eine einfache Sprache: Das TINE-Projekt fördert die mehrsprachige, barrierefreie Wissenschaftskommunikation, die über den akademischen Bereich hinausreicht. Rico Sennrich von der Universität Zürich möchte in Zusammenarbeit mit vier europäischen Partner-Universitäten maschinelle Übersetzung von wissenschaftlichen Dokumenten mit einer Anpassung an eine einfache Sprache kombinieren. So will er wissenschaftliche Inhalte sprach- und fachübergreifend verständlich machen. Das Ziel ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie auch Laien Zugang zu verständlichen Inhalten in ihrer eigenen Sprache erhalten.