Neue Nationale Forschungsprogramme: Diese Themen stehen im Fokus

Die Ausschreibungen für drei neue NFP werden im September 2026 lanciert. Es geht um die psychische Gesundheit von Jugendlichen, digitale Resilienz und Deglobalisierung. Die thematischen Schwerpunkte sind jetzt bekannt.
Nationale Forschungsprogramme (NFP) fördern Forschungsprojekte, die einen Beitrag zur Lösung zentraler gesellschaftlicher und strategischer Herausforderungen der Schweiz leisten. Am 20. März 2026 beauftragte der Bund den SNF mit der Lancierung von drei neuen NFP. Die Themen wurden vom Bundesrat ausgewählt und orientieren sich an den Prioritäten der Bundesverwaltung.
Die Forschungsprogramme fördern interdisziplinäre Forschung und beinhalten transdisziplinäre Aspekte. Geförderte Projekte sollen Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zusammenführen und relevante Interessengruppen aktiv und kontinuierlich einbinden. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu erarbeiten, die für Politik und Praxis von Bedeutung sind.
Die Ausschreibungen für Projekte in den drei neuen NFP 85, 86 und 87 werden am 22. September 2026 veröffentlicht. Das Eingabeverfahren erfolgt in zwei Stufen: Forschende können bis 24. November 2026 eine Interessensbekundung (Expression of Interest) einreichen. Vollständige Gesuche müssen bis 19. Januar 2027 eingereicht werden.
NFP 85 «Psychische Gesundheit von Jugendlichen»
Das NFP 85 zielt darauf ab, die Förderung der psychischen Gesundheit von Jugendlichen in der Schweiz sowie die Prävention und Frühintervention zu verbessern. Gefördert werden Forschungsprojekte, die die Evidenzbasis für wirksame und skalierbare Präventions- und Frühinterventionsansätze stärken, das Verständnis von systemischen Risiko- und Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit von Jugendlichen vertiefen und zur Entwicklung politikrelevanter und praxisorientierter Lösungen beitragen.
Das NFP 85 umfasst zwei Forschungsbereiche:
Der Forschungsbereich 1 «Präventions- und Frühinterventionsansätze» untersucht, wie evidenzbasierte Interventionen an den Schweizer Kontext angepasst, weiterentwickelt und evaluiert werden können. Im Fokus stehen dabei insbesondere innovative, niederschwellige und skalierbare Ansätze, die über das traditionelle Gesundheitssystem hinausgehen und den Bedürfnissen unterschiedlicher sowie vulnerabler Jugendlicher gerecht werden.
Der Forschungsbereich 2 «Systemische Risiken und Schutzfaktoren» untersucht, wie strukturelle Bedingungen in formal organisierten Lebensbereichen – wie im Bildungswesen, in der Berufsbildung oder im obligatorischen Militär- und Zivildienst – die psychische Gesundheit von Jugendlichen beeinflussen. Ziel ist, systemische Merkmale zu identifizieren, die positive Entwicklungsverläufe fördern oder behindern.
Die Forschungsprojekte sollen Partner aus dem nicht-akademischen Bereich miteinbeziehen und Ergebnisse erarbeiten, die in die Entwicklung von Strategien, die Gestaltung von Strukturen sowie die Umsetzung von Präventions- und Frühinterventionsstrategien einfliessen können. Für Projekte im Forschungsbereich 1 sind die Einbindung eines nicht-akademischen Projektpartners sowie transdisziplinäre Elemente eine Voraussetzung. Für das Programm steht ein Gesamtbudget von 7 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung.
NFP 86 «Digitale Resilienz kritischer Infrastrukturen»
Das Forschungsprogramm soll die Resilienz der kritischen Infrastrukturen der Schweiz gegenüber Cyberangriffen und anderen digitalen Störungen stärken. Gefördert wird Forschung, die die Wissensgrundlagen zu Schwachstellen und Risiken erweitert, technisch umsetzbare und gesellschaftlich akzeptable Lösungen entwickelt sowie Governance- und Koordinationsmechanismen für eine agile kollektive Cyberabwehr erarbeitet.
Das NFP 86 umfasst vier Forschungsbereiche:
Der Forschungsbereich «Daten» untersucht, welche Daten für die Cybersicherheit relevant sind und wie der Zugang zu diesen Daten sowie deren Aufbereitung, Schutz und Austausch zwischen Wissenschaft, Behörden und Betreibern kritischer Infrastrukturen verbessert werden kann.
Der Forschungsbereich «Best Practices» analysiert, welche organisatorischen, technischen und operativen Verfahren als bewährte Praxis gelten können und wie sie in den verschiedenen Sektoren kritischer Infrastrukturen der Schweiz übernommen, getestet, angepasst und übertragen werden können.
Der Forschungsbereich «Anreize» befasst sich mit den wirtschaftlichen, regulatorischen, verhaltensbezogenen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Investitionen in die Cybersicherheit beeinflussen. Es sollen Wege aufgezeigt werden, wie organisatorische Entscheidungen mit der Resilienz auf Systemebene in Einklang gebracht werden können.
Der Forschungsbereich «Kollektive Verteidigung» untersucht, wie Betreiber, Zulieferer, Behörden, Regulierungsstellen, Forschende und Nutzende Zuständigkeiten, Informationsaustausch, Risikobewertungen und gemeinsame Reaktionen vor, während und nach Cybervorfällen koordinieren können.
Alle Projekte müssen nicht-akademische Partner einbeziehen und Ergebnisse erarbeiten, die in Politik, Governance, organisatorischer Praxis, technischer Umsetzung, Aus- und Weiterbildung sowie öffentlichen Entscheidungsprozessen genutzt werden können. Das Programm verfügt über ein Gesamtbudget von 5 Millionen Schweizer Franken.
NFP 87 «Deglobalisierung und Resilienz von Lieferketten»
Das NFP 87 untersucht, wie Deglobalisierung und Störungen in Lieferketten die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Schweiz verändern, neue Verwundbarkeiten schaffen und die politischen Handlungsoptionen der Schweiz beeinflussen.
Das Programm vereint zwei eng miteinander verknüpfte Forschungsbereiche:
Der erste Bereich befasst sich mit den politischen und wirtschaftlichen Dynamiken der Deglobalisierung. Im Fokus stehen unter anderem die Fragmentierung globaler Märkte, die Aushöhlung multilateraler Regeln, die zunehmende Nutzung wirtschaftlicher Zwangsmassnahmen als Instrument staatlicher Politik, Sanktionen, Exportkontrollen, Protektionismus und die Regionalisierung von Produktionsnetzwerken.
Der zweite Bereich untersucht die Verwundbarkeiten und die Resilienz von Schweizer Lieferketten. Dabei werden kritische Abhängigkeiten, Engpässe und Kanäle identifiziert, über die sich Störungen auf Unternehmen, Branchen, Regionen und die Gesamtwirtschaft ausbreiten können.
In beiden Bereichen leisten die Forschungsprojekte Beiträge zu drei Dimensionen: Analyse, Resilienzmechanismen und Policy Design. Im Rahmen des Programms werden Risikobewertungen, Abhängigkeitsanalysen, Szenarien, Stresstests, Datensätze und vergleichende Analysen erarbeitet. Zudem werden die Wirksamkeit, Kosten und Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit verschiedener Strategien bewertet, darunter Diversifizierung, Substitution, Redundanz, strategische Reserven, Ansätze der Kreislaufwirtschaft, Frühwarnsysteme, Datenaustausch, gemeinsame Beschaffung und öffentlich-private Koordination.
Die Einbindung relevanter nicht-akademischer Akteure ist ein wesentliches Merkmal des NFP 87. An jedem Forschungsprojekt müssen mindestens zwei Akteure aus dem nicht-akademischen Bereich beteiligt sein. Das Programm verfügt über ein Gesamtbudget von 5 Millionen Schweizer Franken.