Mehr Vielfalt, mehr Unabhängigkeit: Der SNF reformiert seine Karriereinstrumente

In Abstimmung mit den involvierten Akteuren hat der SNF ein neues Instrument zur Karriereförderung auf Stufe Postdoktorat entwickelt. Es wird 2028 lanciert und ersetzt Postdoc.Mobility und Ambizione.
Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein zentrales Anliegen des SNF. Er unterstützt Forschende in frühen Karrierephasen nicht nur indirekt als Mitarbeitende in Projekten, sondern auch direkt, auf individueller Ebene durch Instrumente zur Karriereförderung. In seinem Mehrjahresprogramm 2025–2028 hat sich der SNF verpflichtet, seine Strategie zur Nachwuchsförderung weiterzuentwickeln und optimale Arbeitsbedingungen für Forschende am Anfang ihrer Karriere zu schaffen.
Der SNF hat dazu Grundsatzüberlegungen mit den Hochschulen und Forschenden in frühen Karrierephasen geführt und bestimmte Massnahmen priorisiert. Eine dieser Massnahmen ist die Neuausrichtung des Portfolios der Karriereinstrumente. Damit will der SNF seine Strategie und Werte zur Förderung exzellenter Forschung noch konsequenter umsetzen, insbesondere indem er gute Rahmenbedingungen für Forschende schafft und vielfältige Laufbahnen berücksichtigt. «Analysen haben gezeigt, dass unsere Karriereinstrumente den Realitäten der Forschenden in frühen Karrierephasen nicht mehr optimal entsprechen», erklärt Katrin Milzow, Co-Direktorin des SNF. «Es ist wichtig, die Förder- und Evaluationsmechanismen an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen.»
Ein hohes Mass an Autonomie
Ebenfalls in Abstimmung mit den Hochschulen und Forschenden in frühen Karrierephasen hat der SNF deshalb einen Rahmen für die Reform seiner Karriereförderung erarbeitet. Die erste Etappe betrifft die Stufe Postdoktorat: Ein neues Instrument, das es Forschenden ermöglicht, ein Projekt an einer Institution in der Schweiz zu leiten, wird Ambizione und Postdoc.Mobility ersetzen. Ziel ist es, die Förderung besser auf die einzelnen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn abzustimmen, bei den Teilnahmebedingungen die vielfältigen wissenschaftlichen Laufbahnen zu berücksichtigen, die nationale und internationale Zusammenarbeit zu fördern sowie bessere Rahmenbedingungen für die Durchführung der Forschungsprojekte zu gewährleisten (Details siehe Kasten).
Die Beitragsempfangenden sollen ihr Forschungsprojekt mit einem hohen Mass an Autonomie erarbeiten und ihre Kompetenzen so weiterentwickeln können, dass sie eine ihrem Leistungsausweis entsprechende Karriere verfolgen können, entweder im akademischen oder im ausserakademischen Umfeld. «Mit diesem neuen Instrument möchte der SNF den Beitragsempfangenden die bestmöglichen Rahmenbedingungen bieten – die Dauer und die Höhe des Beitrags sollen es ihnen ermöglichen, ihre berufliche Entwicklung voranzutreiben und für den nächsten Karriereschritt bereit zu sein», sagt Torsten Schwede, Präsident des SNF-Forschungsrats.
Letzte Ausschreibungen 2026 und 2027
Die letzte Eingabefrist für Ambizione ist für November 2026 festgesetzt, für Postdoc.Mobility im August 2027. Die Teilnahmebedingungen der verbleibenden Ausschreibungen werden angepasst, um ihre Qualität und Wirksamkeit zu gewährleisten. Weitere Informationen dazu folgen im April. Das neue Instrument auf Stufe Postdoktorat wird Anfang 2028 lanciert. Weitere Details zu den Teilnahmebedingungen, dem Evaluationsverfahren, der Beitragsdauer und Höhe der Fördermittel sowie der Übergangsphase von den alten zu den neuen Instrumenten gibt der SNF bis Ende 2026 bekannt.
Die SNSF Starting Grants sind von diesen Änderungen derzeit nicht betroffen. Es laufen jedoch auch Überlegungen zur Förderung auf dieser Karrierestufe. Ziel ist ein in sich kohärentes Gesamtportfolio an SNF-Förderinstrumenten.
Mit dieser Reform will der SNF nicht nur die Situation der Forschenden in frühen Karrierephasen verbessern, sondern auch die Entwicklung der Forschung stärken und ihren Wert für die Gesellschaft erhöhen. «Wir wollen die vielversprechendsten Forschenden auswählen, anziehen und halten», sagt Torsten Schwede. «Sie tragen zu einer innovativen, zukunftsorientierten Forschung bei. Die Kompetenzen, die sie entwickeln, sind eine Investition in die akademischen und nichtakademischen Sektoren.»
Die Hauptpunkte der Reform
Zielgruppe: Das neue Instrument richtet sich an Forschende in frühen Karrierephasen, die bereit sind, ein eigenes Forschungsprojekt zu leiten und die Verantwortung für ihre berufliche Entwicklung in einem unterstützenden Umfeld zu übernehmen. In der Kategorisierung der Europäischen Union entspricht dieses Instrument der Karrierestufe R2 («recognised researcher»): Postdoktorat oder gleichwertig. Forschungsprofile der EU
Teilnahmebedingungen: Die Zulassung zur Gesuchstellung wird aufgrund der Zugehörigkeit zur Zielgruppe und aufgrund des Leistungsausweises zu Beginn dieser Karrierestufe bestimmt, und nicht anhand von zeitbasierten Zulassungsfenstern. Dieser Ansatz wird der Vielfalt an wissenschaftlichen Laufbahnen und den Unterschieden zwischen einzelnen Disziplinen besser gerecht.
Zusammenarbeit: Die Beitragsempfangenden sind an einer Gastinstitution in der Schweiz angestellt. Nationale und internationale Zusammenarbeit wird gefördert, mit der Möglichkeit von Auslandaufenthalten. Diese können in Form eines längeren Aufenthalts oder mehrerer Kurzaufenthalte erfolgen, je nach Anforderungen des Forschungsprojekts und erforderlichem Wissenserwerb.
Gute Rahmenbedingungen: Die Beitragsempfangenden sind während der gesamten Beitragsdauer angestellt, auch während der Auslandaufenthalte. Damit haben sie Zugang zu allen Sozialleistungen. Mit einem Stipendiensystem wie Postdoc.Mobility war dies nicht möglich.
Beitragsumfang: Dauer und Höhe des Beitrags müssen so bemessen sein, dass die Beitragsempfangenden ihre Projekte mit einem hohen Grad an Autonomie durchführen können. Die Laufzeit von zwei Jahren bei den Postdoc.Mobility-Stipendien wurde als zu kurz bewertet.