5,5 Millionen Franken für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Im Rahmen des Förderinstruments Agora unterstützt der SNF 29 Projekte. Die Forschenden suchen aktiv den Dialog mit der Öffentlichkeit. Noch nie wurden bei einer Agora-Ausschreibung so viele Gesuche eingereicht.
Rekordjahr für das Förderinstrument Agora: 100 Gesuche wurden bei der Ausschreibung 2025 eingereicht, noch nie waren es so viele. Nun unterstützt der SNF 29 Projekte mit insgesamt 5,5 Millionen Franken. Rund 55% der geförderten Projekte stammen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, 28% aus dem Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. 17% entfallen auf die Lebenswissenschaften. Die meisten Agora-Projekte sind allerdings interdisziplinär und verbinden verschiedene Fachrichtungen miteinander.
Teilhabe und gegenseitiges Zuhören
«Das Förderinstrument Agora bringt Forschende und Gesellschaft zusammen», sagt Julia Schneerson, Agora-Verantwortliche beim SNF. «Es unterstützt Projekte, die wissenschaftliche Erkenntnisse und Denkprozesse in den öffentlichen Dialog einbringen. Dazu nutzen sie Formate, die Interaktion, Teilhabe und gegenseitiges Zuhören ermöglichen.» Nachfolgend drei Beispiele geförderter Projekte:
Bewusstsein für Lichtverschmutzung
Janine Bolliger von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL erforscht Lichtemissionen. Gemeinsam mit dem Künstler Thijs Biersteker will sie die Forschungsergebnisse in einer Kunstinstallation präsentieren. Die Ausstellung wird von moderierten Veranstaltungen und Workshops mit den Forschenden begleitet. Ziel ist es, wissenschaftliche Daten in sinnliche Erlebnisse zu verwandeln und so das Bewusstsein für Lichtverschmutzung zu stärken.
Autismus frühzeitig erkennen
Nadia Chabane vom Universitätsspital Lausanne entwickelt mit einem interdisziplinären Team und betroffenen Familien ein innovatives «Mitmach-Format», um das Bewusstsein für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zu stärken. Ziel ist es, Eltern frühzeitig für Anzeichen von Autismus zu sensibilisieren und aktuelle Forschung spielerisch zugänglich zu machen. Herzstück des Projekts ist ein familienfreundliches Festival im Sommer 2027 in Lausanne: Dort soll es einen Parcours zu frühen Autismus-Verhaltensmerkmalen, Konzerte von Künstlerinnen und Künstlern mit ASS sowie Workshops und Diskussionen geben.
Frauen in Friedensprozessen
Agnieszka Fal-Dutra Santos von der Universität Bern beleuchtet die zentrale Rolle von Frauen in Friedensprozessen. Mit einer Fotoausstellung, mit Reflexionsräumen und Begegnungen mit kolumbianischen Friedensstifterinnen macht sie sichtbar, dass inklusive Ansätze funktionieren und zu wirksameren Friedensabkommen führen. Ziel ist es, beim Schweizer Publikum und politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern Verständnis und Wertschätzung für die Beiträge von Frauen zu Friedensprozessen zu fördern.
Weitere Informationen zu den geförderten Agora-Projekten bietet die Datenbank des SNF (siehe Link unten).
Flexible Einreichung von Gesuchen
Im Rahmen des «Agora Rolling Call» können Forschende noch bis Ende 2026 laufend Gesuche bis zu einem Betrag von 50’000 Franken einreichen. Die Förderentscheide werden innerhalb von vier Monaten gefällt und kommuniziert.
Die geplante Ausschreibung für grössere Projekte im September 2026 entfällt. Neu können Forschende ab 2027 Projekte mit einem Budget von bis zu 200'000 Franken ebenso laufend und ohne Deadline einreichen. Der SNF will damit das Agora-Förderinstrument besser auf die Bedürfnisse der Forschenden abstimmen. Weitere Informationen zu diesem neuen Verfahren folgen in den kommenden Monaten.