15,4 Millionen Franken für fünf klinische Studien zu ungenügend erforschten Themen

Optimierte Therapien nach Schlaganfällen oder schonendere Eingriffe bei Herzfehlern: Im Rahmen des IICT-Programms fördert der SNF fünf klinische Studien. Patientinnen und Patienten waren an der Auswahl der Projekte beteiligt.
Glukokortikoide sind hochwirksame Medikamente zur Behandlung von Asthma, Arthritis und Autoimmunerkrankungen. Sie können lebensrettend sein, aber auch schwerwiegende Nebenwirkungen wie Diabetes verursachen. Eleonora Seelig vom Universitätsspital Basel und ihr Team untersuchen, ob sich diese Risiken durch die gleichzeitige Gabe eines verbreiteten Diabetes-Medikaments verringern lassen. Lisa Christ vom Inselspital Bern und ihr Team erforschen derweil, wie wirksam eine verkürzte Kortisontherapie bei einer Vaskulitis ist, also einer Entzündung der Blutgefässe.
51 Projekte eingereicht
Das sind zwei von insgesamt fünf Projekten, die der SNF im Rahmen des Programms Investigator Initiated Clinical Trials (IICT) mit 15,4 Millionen Franken unterstützt (drei weitere Projekte siehe Kasten). In diesen klinischen Studien werden dabei gesellschaftlich und medizinisch relevante Fragen untersucht, die aber nicht im Fokus der Industrie stehen. Auf solche ungenügend erforschten, aber aus Sicht der Patientinnen und Patienten relevanten Gebiete ist das Programm IICT ausgerichtet.
Bei der IICT-Ausschreibung 2025 gingen 51 antragsberechtigte Projekte ein. Die Forschenden werden nun bis zu fünf Jahre an ihren klinischen Studien arbeiten. Pro Projekt sind zwischen 224 und 1500 Patientinnen und Patienten involviert.
Bedürfnisse der Betroffenen einbringen
Seit 2015 hat der SNF im Rahmen des IICT-Programms insgesamt 68 klinische Studien gefördert. Auch bei dieser Ausschreibung waren sechs Patientinnen und Patienten an der Auswahl der besten Projekte beteiligt. «Die Diskussionen mit diesen sechs Personen werden von den Mitgliedern des Evaluationsgremiums geschätzt, da sie die Sichtweise und die konkreten Bedürfnisse der Betroffenen einbringen», sagt Caroline Krüger, Leiterin des IICT-Programms beim SNF.
Die nächste Ausschreibung läuft bereits: Im Mai 2026 haben die Forschenden ihre Teilnahmeabsicht bekundet. Bis zum 3. November 2026 reichen sie ihre Gesuche ein.
Schlaganfall, Antibiotika, Herzerkrankung
Jährlich erleiden in der Schweiz rund 10’000 Menschen einen Schlaganfall. Die einzige etablierte Behandlungsmöglichkeit für kleine Gefässverschlüsse ist eine medikamentöse Therapie. Marios Psychogios vom Universitätsspital Basel und Urs Fischer vom Inselspital Bern untersuchen zwei minimalinvasive Behandlungsmethoden. Bei beiden wird ein dünner Schlauch über die Leiste oder das Handgelenk zu den verstopften Hirngefässen eingeführt. Ziel ist es herauszufinden, welche der drei Behandlungsmethoden bei welchen Betroffenen am besten wirkt.
Bei Patientinnen und Patienten können nach Darminfektionen oder Bauchoperationen schwere Infektionen im Bauchraum auftreten. Dabei erhalten sie oft langwierige, intravenöse Antibiotikatherapien. Baharak Babouee Flury und Philipp Kohler vom Kantonsspital St. Gallen und ihr Team testen eine alternative, tablettenbasierte Therapie mit einem neueren Antibiotikum. Ziel ist es herauszufinden, wie wirksam diese Therapie ist, ob sie Spitalaufenthalte verkürzt, welchen Einfluss sie auf die Darmflora hat und wie schnell sie zu Antibiotika-Resistenzen führen kann.
Die Aortenklappe reguliert den Blutfluss vom Herzen in den restlichen Körper. Menschen mit einer bikuspiden Aortenklappenerkrankung (BAVD) besitzen nur zwei statt drei Klappentaschen der Aortenklappe. BAVD führt häufig zu einer Verengung der Aortenklappe, sodass diese in einer offenen Operation ersetzt werden muss. Eine neue Behandlungsmethode ist die weniger invasive Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI), bei der über die Leiste ein dünner Katheter eingeführt wird. Matthias Siepe und Stephan Windecker vom Inselspital Bern und ihr Team möchten herausfinden, ob diese Behandlungsmethode langfristig ebenso sicher und wirksam ist.