Europäische Open-Access-Plattform: Forschungsergebnisse rasch und kostenlos publizieren

Open Access to Publications - Informationen für Forschende
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Der SNF beteiligt sich neu an Open Research Europe. Ab Herbst 2026 können dort alle Forschenden in der Schweiz ihre Artikel veröffentlichen. Ein Meilenstein für die Wissenschaft unseres Landes.

Mit öffentlichen Geldern finanzierte Ergebnisse der Forschung sollen für alle Interessierten frei zugänglich sein. Open Research Europe (ORE) wurde 2021 von der Europäischen Kommission als Plattform für das sogenannte Diamant-Open-Access gegründet. Beim Diamant-Modell sind sowohl die Publikation als auch das Lesen der Artikel kostenlos. Die Finanzierung übernehmen öffentliche oder private Institutionen.

Open Research Europe richtete sich bisher an Forschende, die von der EU gefördert wurden. In den letzten fünf Jahren veröffentlichten dort 6300 Autorinnen und Autoren über 1200 wissenschaftliche Artikel.

Konsortium von 15 Organisationen

Nun wird die Diamant-Plattform weiterentwickelt. 15 Förderorganisationen aus Europa, darunter der SNF, beteiligen sich am ORE-Konsortium und tragen zur Finanzierung bei. Die Europäische Kommission übernimmt nach wie vor einen wesentlichen Teil der Kosten und bringt als ständige Beobachterin ihre Erfahrungen ein. Das Budget für die Periode von 2026 bis 2031 beträgt 17 Millionen Euro.

Das Konsortium steuert ORE inhaltlich und trägt die redaktionelle Verantwortung. Betrieben wird die Plattform ab Herbst 2026 vom CERN in Genf (siehe Kasten).

Neu haben mehr als 1,5 Millionen Forschende aus den beteiligten Ländern Zugang zu ORE. Für die Publikation eines Artikels genügt es, wenn eine Co-Autorin oder ein Co-Autor in einem dieser Länder arbeitet.

Gebührenfreies und offenes Verfahren

Open Research Europe bietet eine öffentlich finanzierte Alternative zu kommerziellen Formen von Open Access und verzichtet auf Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APC).

Die Plattform verwendet das innovative «Publish-Review-Curate»-Modell und führt ein offenes Peer-Review-Verfahren durch:

  • Veröffentlichen (Publish): Eingereichte Manuskripte werden in einem ersten Schritt von ORE formal geprüft und dann als Preprints veröffentlicht.

  • Begutachten (Review): Darauf folgt ein klassisches Review-Verfahren durch mehrere Forschende aus dem betreffenden Fachgebiet. Ihre Gutachten werden ebenfalls auf ORE abgelegt und sind öffentlich einsehbar. Die Autorinnen und Autoren können die Gutachten kommentieren sowie ihren Artikel nach Bedarf überarbeiten. Alle Versionen des Artikels bleiben auf ORE.

  • Kuratieren (Curate): Artikel, die das Review erfolgreich passieren, werden schliesslich in thematischen Sammlungen auf ORE zusammengefasst.

Grössere Wirkung von Forschungsergebnissen

Mit seinem Beitritt zum ORE-Konsortium ermöglicht es der SNF allen Forschenden in der Schweiz aus allen Disziplinen, ihre Artikel kostenlos auf der Plattform zu veröffentlichen. Ob ihre Forschung vom SNF gefördert wird oder nicht, spielt keine Rolle.

«Für die Schweizer Wissenschaft bedeutet dies einen Meilenstein», betont Torsten Schwede, Präsident des Forschungsrats. «Einerseits bieten wir damit den Forschenden eine gebührenfreie Publikationsplattform in einem exzellenten europäischen Umfeld. Anderseits schaffen wir für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einen einfachen, freien Zugang zu Forschungsergebnissen. So verstärken wir die Wirkung der durch Steuergelder finanzierten Forschung.»

Open Research Europe wird ab Herbst 2026 Manuskripte von Forschenden in der Schweiz zur Veröffentlichung annehmen.

Vielfältig und finanziell nachhaltig

Die Beteiligung des SNF an der Diamant-Plattform ist Teil seiner geänderten Open-Access-Strategie. «Wir richten unseren Fokus noch stärker auf eine vielfältige und finanziell nachhaltige Publikationslandschaft aus. ORE ist ein wichtiges Element davon. Damit unterstützen wir die Umsetzung der Nationalen Open-Access-Strategie», sagt Torsten Schwede.

Parallel dazu verschafft der Dachverband swissuniversities den Forschenden ebenfalls mehr Publikationsmöglichkeiten in Diamant-Open-Access. Zum Beispiel strebt das Projekt CoDOA-CH die gemeinsame Finanzierung von Diamant-Zeitschriften durch die Schweizer Hochschulen an.

Ausserdem finanziert der SNF weiterhin Open-Access-Artikel in Zeitschriften kommerzieller Verlage. Ab 2027 begrenzt er jedoch die maximale Höhe einer Publikationsgebühr auf 3500 Franken. Höhere Gebühren wird er dann nicht mehr bezahlen, auch nicht anteilig.

Europäisches Gemeinschaftsprojekt

An Open Research Europe beteiligen sich neu 15 Förderorganisationen aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien und der Schweiz. Alle Forschenden in diesen elf Ländern können kostenlos ihre Artikel auf der Plattform veröffentlichen.

Angesiedelt ist ORE beim CERN in Genf. Es stellt für die Forschenden eine neutrale, zuverlässige und nachhaltige Umgebung bereit. Dafür nutzt es seine Erfahrung mit dem Betrieb von Initiativen der offenen Wissenschaft wie Zenodo und Scoap3. Technisch basiert die Plattform auf der weltweit genutzten Open-Source-Software «Open Journal Systems (OJS)».

Mehrfacher Nutzen für die Forschenden

Tobias Philipp*, für wen eignet sich Open Research Europe?

Für Forschende aller Disziplinen, egal ob aus dem MINT-Bereich, den Lebenswissenschaften oder den Geistes- und Sozialwissenschaften. Schon bisher hat die Plattform das gesamte Spektrum der Wissenschaften abgedeckt. Ab Herbst 2026 dürfte die Zahl der Publikationen in jeder Disziplin deutlich zunehmen.

Warum sollten Forschende auf ORE publizieren?

Natürlich zum einen, weil sie eine sehr gute Dienstleistung bekommen und nichts dafür bezahlen müssen. Zum andern aber auch, weil sie ihren Artikel als Preprint – nach einer formalen Prüfung – sofort veröffentlichen können. Das Warten, bis das Peer-Review-Verfahren abgeschlossen ist, entfällt. Dies ermöglicht eine rasche Diskussion und Verbreitung der Ergebnisse. Auch die Offenlegung der Gutachten trägt zum wissenschaftlichen Austausch sowie zur Weiterentwicklung der Forschung bei.

Wenn vom SNF geförderte Forschende ihren Artikel auf ORE veröffentlichen, erfüllen sie die Open-Access-Verpflichtung?

Ja, damit erfüllen sie die Verpflichtung vollständig.

*Tobias Philipp ist beim SNF zuständig für das Thema Open Access. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der Funders Group von Open Research Europe, des strategischen Führungsgremiums.