Verantwortungsvolle Forschungsbewertung

© Aurel Märki / SNF

Wie entwickelt der SNF sein Evaluationsverfahren weiter, um auch in Zukunft exzellente Forschung zu fördern? Diese Frage steht im Zentrum der verantwortungsvollen Forschungsbewertung.

Diese Seite ersetzt die bisherige Seite zur DORA-Deklaration. DORA ist eine von mehreren internationalen Initiativen, die in die Weiterentwicklung der verantwortungsvollen Forschungsbewertung des SNF einfliessen.

Der SNF verbessert die Forschungsbewertung ständig, um sicherzustellen, dass die besten Gesuche gefördert werden. Die Arbeiten beruhen auf drei zentralen Grundsätzen:

  1. Exzellenz zeigt sich in originellen und relevanten Forschungsfragen, innovativen und gründlichen Methoden sowie in Forschungspraktiken und Verhaltensweisen, die es Forschenden ermöglichen, zum Wissensgewinn beizutragen und ihre Forschungsprojekte erfolgreich abzuschliessen.

  2. Wirksamer Wissensgewinn ist in eine inklusive und vielfältige Forschungskultur eingebettet. Diese erfordert, dass Forschende höchste Standards von Ethik und Integrität anstreben, Fürsorge und Kollegialität in Zusammenarbeit und Mentoring leben und die Beiträge aller anerkennen, die an der Forschung beteiligt sind.

  3. In einem stark wettbewerbsorientierten System der Forschungsförderung hat die Art und Weise, wie der SNF Gesuche evaluiert, weitreichende Auswirkungen: Sie beeinflusst, wie Gesuchstellende ihre Gesuche vorbereiten und was sie als Nachweis von Exzellenz anführen, wie Gutachtende die Gesuche beurteilen und, im weiteren Sinne, welche Verhaltensweisen und Normen die Forschungskultur ausmachen.

Die Grundsätze erfordern, dass der SNF sein Vorgehen kontinuierlich reflektiert, damit seine Forschungsbewertung verantwortungsvoll ist und bleibt. Gleichzeitig verändert sich die Forschungslandschaft in der Schweiz und international; auch die Bewertungspraktiken müssen sich entsprechend weiterentwickeln. Der SNF setzt sich für breiter angelegte internationale Bestrebungen ein, fest verankerte Normen und Anreizstrukturen im gesamten Forschungssystem zu verändern.

Im Kontext der verantwortungsvollen Forschungsbewertung (Responsible Research Assessment) steht der SNF für ein transparentes und faires Evaluationsverfahren ein, das exzellente Forschungsprojekte und Forschende fördert. Er unterstützt exzellente Forschungskarrieren und orientiert sich an den Grundsätzen der offenen Wissenschaft sowie an Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion. Das Evaluationsverfahren des SNF schafft Rahmenbedingungen, die verantwortungsvolle Führung, ein gesundes Forschungsumfeld und die Entwicklung vielfältiger Talente in allen Karrierephasen begünstigen.

Das Exzellenzmodell des SNF spiegelt diese ganzheitliche Sichtweise wider.

Exzellenzmodell des SNF

Der SNF sieht seine Aufgabe als Förderorganisation darin, die verantwortungsvolle Forschungsbewertung zu stärken und sich dabei an seinem Exzellenzmodell zu orientieren. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zum übergeordneten Zweck der Forschungsförderung: Wissensgewinn zum Nutzen aller ermöglichen.

Konkret setzt der SNF verantwortungsvolle Forschungsbewertung in den folgenden Bereichen um:

  • Der SNF gestaltet seine Arbeit auf der Grundlage umfassender Erfahrung, interner und externer Überprüfungen seiner Verfahren sowie des stetigen Austauschs zwischen den Gremien des Forschungsrats und der Geschäftsstelle. Das Exzellenzmodell des SNF stützt sich auf etablierte internationale Bestrebungen zur Verbesserung der Forschungsbewertung. Dazu gehört auch die San-Francisco-Deklaration zur Forschungsbewertung (DORA), die der SNF 2014 unterzeichnet hat. Der SNF ist im Steering Committee und derzeit auch im Executive Board von DORA vertreten.

    Als Gründungsmitglied der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) trägt der SNF die gemeinsamen Verpflichtungen sowie die gemeinsame Ausrichtung der Reform der Forschungsbewertung mit. Zusammen mit anderen Förderorganisationen und Forschungseinrichtungen arbeitet er daran, die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Forschungsbewertung zu verbessern. Dazu überprüft und entwickelt er Kriterien, Instrumente und Verfahren im Einklang mit diesen Verpflichtungen weiter. Zudem verfolgt er regelmässig die Fortschritte bei deren Umsetzung und berichtet darüber.

    Der SNF hat die Co-Leitung des Schweizer National Chapters von CoARA inne. Dieses ermöglicht auf nationaler Ebene ein besser koordiniertes und systematischeres Vorgehen – durch institutionenübergreifenden Erfahrungsaustausch, aufeinander abgestimmte Standards und den Dialog mit der breiteren Forschungsgemeinschaft.

  • Der SNF hat seine Evaluationsverfahren 2022 angepasst, um sie transparenter und fairer zu gestalten und die Verfahren über nahezu alle Förderinstrumente hinweg zu harmonisieren. Das einheitliche Evaluationsverfahren beruht auf vier zentralen Elementen: individuelle Stimmabgabe in den Evaluationsgremien, eine einheitliche numerische Bewertungsskala für alle Evaluationsphasen, die Trennung der wissenschaftlichen Evaluation von den Förderentscheiden sowie die Anwendung eines Losverfahrens bei Gesuchen, die gemäss den Evaluationskriterien als gleichwertig beurteilt werden.

  • Das standardisierte CV-Format bildet den Karriereverlauf von Forschenden ab und weist ihr akademisches Alter aus (anstelle des Lebensalters). Zudem gibt es einen Abschnitt, in dem bis zu drei bedeutende wissenschaftliche Leistungen beschrieben werden können; im Mittelpunkt stehen dabei Inhalt und Qualität der Forschung. Dort können Forschende ihre wichtigsten wissenschaftlichen Beiträge in narrativer Form darstellen und mit leicht zugänglichen Verweisen auf ihre Forschungsergebnisse belegen.

    Durch die Beschränkung auf wenige Beiträge lenken Gesuchstellende den Fokus der Gutachtenden auf jene Aspekte ihrer Arbeit, die sie selbst als besonders wichtig erachten. Gleichzeitig werden sowohl Gesuchstellende als auch Gutachtende dazu angehalten, die Qualität zu beurteilen, anstatt die in Listen aufgeführten Forschungsergebnisse zu zählen.

    Was als wissenschaftlicher Beitrag gilt, ist bewusst weit gefasst, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sich Exzellenz auf verschiedene Weise zeigen kann. Das narrative Format mit ausgewählten Arbeiten ermöglicht es Gesuchstellenden, ihre Beiträge in den jeweiligen Kontext einzuordnen. Die zahlenmässige Einschränkung erleichtert zudem den Vergleich zwischen Gesuchstellenden und macht die Beurteilung ihrer wissenschaftlichen Laufbahn transparenter.

  • Der SNF strebt an, in seinem Evaluationsverfahren Massnahmen umzusetzen, die den Einfluss von Verzerrungen verringern und Barrieren abbauen. Zudem will er das Engagement zur Unterstützung von Forschenden in frühen Karrierephasen angemessen anerkennen und, im weiteren Sinne, inklusivere Arbeitsumgebungen fördern. Dabei berücksichtigt er, dass Benachteiligungen aufgrund des biologischen und sozialen Geschlechts mit weiteren Faktoren zusammenwirken können.

    Der SNF will sicherstellen, dass unterschiedliche Aufgaben gleichermassen anerkannt, Forschende mit vielfältigen Hintergründen gefördert und unterschiedliche Formen von Wissen wertgeschätzt und unterstützt werden.

  • Einheitliche Vorgehensweisen und Leitlinien für alle an den Evaluationsverfahren Beteiligten sind ein wesentlicher Bestandteil der verantwortungsvollen Forschungsbewertung. Der SNF bietet Schulungen und Orientierungshilfen für Vorsitzende und Mitglieder der Evaluationsgremien an sowie für die Mitarbeitenden des SNF, die den Evaluationsprozess unterstützen.

    Die Schulungen sollen ein gemeinsames Verständnis der Grundsätze der verantwortungsvollen Forschungsbewertung schaffen und deren konsequente Anwendung während des gesamten Evaluationsverfahrens sicherstellen. Sie klären die Rollen, Verantwortlichkeiten und Erwartungen der Gutachtenden und fördern einen respektvollen, kollaborativen Austausch sowie abgestimmte Vorgehensweisen in den Evaluationsgremien. Zudem betonen sie die Bedeutung von Unparteilichkeit sowie von fairen und transparenten Abstimmungsverfahren.

  • Um die eigene Praxis kontinuierlich evidenzbasiert zu überprüfen, ist der SNF Mitglied des Research on Research Institute (RoRI) und beteiligt sich dort an verschiedenen gemeinsam entwickelten Projekten. Dabei werden unterschiedliche Aspekte von Forschungssystemen, Forschungskulturen und Entscheidungsprozessen erprobt und evaluiert.